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Papiliorama weiht neue Zuchtstation ein

 

Stiftung in Kerzers erlaubt Besuchern Blick hinter die Kulissen

Ende März hat das Papiliorama in Kerzers eine neue Zuchtstation und eine Küche eingeweiht. Sie sind Teil des neuen Null-Kulissen-Konzepts, mit dem die Stiftung mehr Transparenz schafft. Und sie sollen gewährleisten, dass das Papiliorama seine wichtige Rolle als zoologische Einrichtung bei der Erhaltung von bedrohten Tierarten langfristig aufrechterhalten kann.

Die heute im Papiliorama in Kerzers eingeweihte Zuchtstation wird den Ansprüchen eines modernen Zoos gerecht. Sie ersetzt die bestehende Anlage, die 2003 nach dem Umzug des Papiliorama nach Kerzers kurzfristig aufgebaut wurde. Der Plan, die nicht mehr zeitgemässe Zuchtstation umzubauen, entstand bereits 2009. Die Zucht ist eine wichtige Aufgabe eines modernen Zoos. Sie ist mit hohen Kosten und grossem Arbeitsaufwand verbunden. Die Arbeit der Zoologen jedoch blieb der Öffentlichkeit bisher verborgen. Um sie auch dem Publikum zugänglich zu machen, entschieden die Verantwortlichen, die erweiterte Zuchtstation im Nocturama offen zu gestalten. Das Null-Kulissen-Konzept, das in der Kerzerser Institution auch die Installationen, Arbeiten und Abläufe im Hintergrund sichtbar machen soll, war damit geboren. Mit dem Null-Kulissen-Konzept will das Papiliorama nicht nur dem Publikumswunsch entgegenkommen, hinter die Kulissen blicken zu können. Es soll den Besuchern vielmehr auch besser verständlich gemacht werden, wie moderne Zoos funktionieren und welche ihre Aufgaben sind. Eine Ausstellung im Bereich der Zuchtstation beschäftigt sich deshalb seit neuestem mit der Rolle von Zoos bei der Erhaltung von bedrohten Tierarten und mit der Frage, weshalb Zoos in Zukunft noch wichtiger werden (siehe ganz unten).

Realisiert dank mehrerer Geldgeber
Während die neue Küche rasch umgebaut und in Betrieb genommen werden konnte (siehe Kasten), dauerte der Umbau der Zuchtstation längere Zeit. Ab 2011 begann ein Team des Papiliorama, den Bereich mit bescheidenen finanziellen Mitteln umzubauen. Erst dank zusätzlichen Spenden und Darlehen mehrerer Geldgeber konnte der Umbau schliesslich abgeschlossen werden. So unterstützte die Loterie Romande zum wiederholten Mal ein konkretes Projekt des Papiliorama. Auch der Lotteriefonds des Kantons Berns beteiligte sich an den Kosten. Ausserdem erhielt die Kerzerser Stiftung ein Darlehen des Kantons Freiburg.

Führende Institution für bedrohte Arten
In der Zuchtstation werden nachtaktive Arten wie Nachtaffen, Greifstachler, Faultiere und die meerschweinchenartigen Pakas gezüchtet. Sie leben bereits seit 1994 im Nocturama und gehören zu den wichtigsten Arten des Papiliorama. Seit Anbeginn war das Papiliorama um eine nachhaltige Zucht bemüht und hielt deshalb jeweils nicht nur ein Paar, sondern mehrere Tiere. So sollte gewährleistet sein, dass bereits der Bestand in Kerzers eine grosse genetische Vielfalt aufweist. Mit seiner Zuchtarbeit schwang sich das Papiliorama rasch zu einer der führenden Institutionen in der Erhaltung der europäischen Populationen dieser Arten auf. Die Biologen aus Kerzers sind in der European Association of Zoos and Aquaria (EAZA) engagiert und nehmen seit einigen Jahren auch die Aufgabe als Koordinatoren für die Nachtaffen, die Greifstachler und die Pakas wahr. In dieser Funktion überwacht das Papiliorama nicht nur die eigene Zucht, sondern auch den gesamten europäischen Bestand.
 


Komplexes «Kochen» für Tiere
Ebenfalls Teil des neuen Null-Kulissen-Konzepts ist die heute offiziell eingeweihte Küche. Besucher können bereits seit einem Jahr durch grosse Glasscheiben hindurch beobachten, wie die Tierpfleger die Nahrung für die rund 2000 Tiere des Papiliorama zubereiten. Sie stellen gegen 50 unterschiedliche Menus pro Tag zusammen. Diese werden täglich variiert, damit die Tiere vollwertige, abwechslungsreiche und auf sie abgestimmte Nahrung erhalten. Weil das «Kochen» für die Tiere mittlerweile sehr komplex geworden ist, arbeiten die Tierpfleger mit einer eigens programmierten Software. Der Erweiterungsbau der Küche wurde finanziell durch die Vontobel-Stiftung unterstützt.

Krise der Arten im 21. Jahrhundert
Das 21. Jahrhundert wird die Zoologie vor grosse Herausforderungen stellen. Bereits heute ist abzusehen, dass sich das im 20. Jahrhundert eingesetzte Aussterben bedrohter Rassen in naher Zukunft verstärken wird. In weniger als zwei Jahrzehnten werden zahlreiche Arten so weit dezimiert sein, dass ihr Überleben in Frage steht. Es wird dann eine politische Frage sein, welche Arten gerettet werden und welche ihrem Schicksal überlassen werden sollen. Angesichts dieser Entwicklung sieht es die Stiftung Papiliorama bereits heute als unumgänglich an, die genetische Vielfalt verschiedener Tierarten zu erhalten und zu sichern – auch für Arten, die heute noch nicht akut gefährdet sind. Dabei kommt zoologischen Einrichtungen eine zentrale Rolle zu. Sie sind dank mehr als 150-jähriger Erfahrung in der Lage, den Weiterbestand verschiedener Arten längerfristig zu sichern. Sobald ein Bestand empfindlich dezimiert ist, dürfte für die Zoos ein Wettlauf gegen die Zeit beginnen: Nur wenn die letzten Exemplare einer Art in Zoos platziert und weiter gezüchtet werden, besteht die Chance darauf, sie dereinst wieder in freier Natur aussetzen zu können. Entsprechend werden auch die Arbeit der Zoos und internationale Zuchtprogramme für die weltweite Erhaltung einer gesunden Fauna noch wichtiger werden. Eine Ausstellung im Bereich der Zuchtstation greift seit neustem Fragen im Zusammenhang mit der Rolle von Zoos auf.
 

 

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Artikel verfasst von

Stiftung Papiliorama