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Zugrouten und Schicksal eines Liebessymbols

 

Verliebte Menschen werden gerne als Turteltauben bezeichnet. Doch das Liebessymbol wird massiv bejagt: Allein im Mittelmeerraum werden jährlich 2–3 Millionen Turteltauben geschossen. Dies obwohl deren Bestand in Europa seit 1970 um über 70 % eingebrochen ist. Eine Studie der Vogelwarte Sempach und der Universität Giessen liefert nun neue Erkenntnisse zu den Zugrouten der Turteltaube, was letztlich dem Schutz der Art dient.

Das zart rollende Turteln der attraktiven Turteltaube ist in der Schweiz immer seltener zu hören. Doch auch in anderen Ländern Europas ist der Rückgang der einst häufigen Taube gravierend: Seit 1970 ist ihr Bestand um 70 % eingebrochen. Dafür verantwortlich sind neben dem Klimawandel und Verschlechterungen der Lebensräume in den Brut- und Wintergebieten auch die Jagd: Schätzungsweise 2–3 Millionen Turteltauben werden pro Jahr allein im Mittelmeerraum geschossen. Eine von der Vogelwarte Sempach und der Universität Giessen veröffentlichte neue Studie zeigt nun, dass besonders viele Turteltauben im Herbst auf dem Zug in die afrikanischen Winterquartiere der Jagd zum Opfer fallen.

Als einzige europäische Taube überwintert die Turteltaube südlich der Sahara. Die Vogelwarte und ihre Partner können nun zum ersten Mal zeigen, auf welchen Wegen die Turteltauben Mitteleuropas ihr Winterquartier erreichen. Ringfunde belegen, dass Individuen aus Grossbritannien, Deutschland und Frankreich vermehrt auf einer Westroute über Spanien nach Afrika ziehen. Turteltauben aus Tschechien und Ungarn wählen hingegen eine zentrale Route via Italien oder die Ostroute via Griechenland. Für die Studie wurden 692 Ringfunde europäischer Turteltauben ausgewertet, die zwischen 1913 und 2011 beringt wurden. 418 dieser Funde stammten von geschossenen Vögeln, was Rückschlüsse auf die Bejagung zuliess.

Das durch diese Studie gewonnene zusätzliche Wissen über Zugrouten und Bejagung der Turteltaube liefert wichtige Hinweise über diese weltweit gefährdete Vogelart. Dies ist wichtig, um geeignete Massnahmen zur Erhaltung der Rast- und Überwinterungsgebiete, sowie zur Regulierung der Jagd treffen zu können.

 

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Artikel verfasst von

Schweizer Vogelwarte Sempach

Foto © Marcel Burkhardt