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Stop Wildtierfütterung, denn sie schadet Wild und Wald

 

Nahrungssuchende Wildtiere im Hochwinter: Die scheinbar hungernden Tiere lösen bei vielen Menschen Mitleid aus. Mit Fütterung wollen sie etwas Gutes tun. Doch wer Schalenwild im Winter füttert, schadet Wild und Wald. Mit der Kampagne „Stop Wildtierfütterung“ rufen Kantonale Ämter, Forst-, Umweltschutz-, Jagd- und Landwirtschaftsvertreter gemeinsam dazu auf, Schalenwild nicht zu füttern und mögliche Futterquellen im Siedlungsraum unzugänglich zu machen.

Ohne Winterfütterung geht es dem Wild und Wald besser
„Winterfütterung ist keine Lösung und sogar kontraproduktiv, weil das Schalenwild aus seinem natürlichen Wintersparmodus herausgerissen wird“, warnt Georg Brosi, Vorsteher Amt für Jagd und Fischerei. Das vermeintlich helfende Futter kann so zur tödlichen Falle für die Tiere werden. Aber auch der Wald leidet. „In der Umgebung von Futterstellen sind Schäl- und Verbissschäden an den Bäumen oft erheblich“, schildert Reto Hefti, Vorsteher Amt für Wald und Naturgefahren die Folgen der Fütterung. Zugeführtes Futter ist meist nährstoffreich, was nicht der natürlichen Winternahrung entspricht. Das Schalenwild sucht zum Ausgleich Rohfasern. Es schält Baumrinde, verbeisst Jungbäume und verursacht grosse Schäden an der Naturverjüngung sowie am Schutzwald.

Die Wildtierfütterung erhöht die Seuchengefahr
Ein Anziehungspunkt für Schalenwild sind auch offene Komposte und defekte Siloballen in Siedlungsnähe. Daniel Albertin, Landwirt und Gemeindepräsident von Albula/Alvra zeigt auf seinem Hof in Mon, wie die Siloballen wildtiersicher gelagert und eingezäunt und Futterreste aufbewahrt werden. „In unseren Wäldern leben zahlreiche Hirsche. Auf dem Hof haben wir aber keine Probleme mit den Wildtieren“, schildert Albertin seinen Vorzeigebetrieb. Wildtiersichere Komposte und Siloballen sind wichtige Präventionsmassnahmen gegen die Seuchengefahr. Rolf Hanimann, Vorsteher Amt für Lebensmittelsicherheit und Tiergesundheit, warnt eingehend vor der Rindertuberkulose: „Die Gefahr, dass die Tuberkulose bei Futterstellen übertragen wird, von Wildtier zu Wildtier aber auch auf die Nutztiere, ist bei Futterstellen stark erhöht – mit fatalen Folgen.“ Zudem können Futterangebote in Siedlungsnähe zu Problemen mit dem Wolf führen, sagt Anita Mazzetta, Geschäftsleiterin WWF Graubünden: „Im Schlepptau mit dem Wild ziehen Futterstellen auch Wölfe an, die ihrer Beute bis in die Siedlungen hinein folgen.“ Entfernt man Futterquellen konsequent, sind meist auch die Wölfe weg.

Mithelfen, dem Schalenwild das Überleben im Winter zu erleichtern
Im Kanton Graubünden wird die Winterfütterung von Schalenwild ab 2018 verboten. „Die breit abgestützte und von allen relevanten Interessensvertretern getragene Kampagne „Stop Wildtierfütterung“ ist trotzdem wichtig, weil es noch viel Überzeugungs- und Aufklärungsarbeit braucht“, ist Hansruedi Andreoli, Bündner Hegepräsident des Bündner Kantonalen Patenjäger-Verbandes überzeugt. In fünf Faktenblättern für Gartenbesitzer und Gastrobetriebe, für Gemeinden, für Jäger und Jägerinnen, für Forstpersonal, für die Landwirtschaft und für Waldbesitzer zeigt die Kampagne „Stop-Wildtierfütterung“ wertvolle und praktische Tipps, wie Gärten, Grüngutdeponien oder landwirtschaftliche Betriebe wildtiersicher werden. Wichtig ist, dass jegliche Nahrungsquellen im Siedlungsraum für Wildtiere unerreichbar gemacht werden. So werden Wildtiere gar nicht erst in Siedlungen gelockt. Siloballen müssen beim Betriebszentrum gelagert werden, Komposthaufen sollen wildtiersicher abgedeckt werden, Abfallsäcke erst am Morgen kurz dem Abholen auf die Strasse gestellt werden oder die öffentliche Grüngutdeponie muss bei hohem Wilddruck wildtiersicher eingezäunt werden. Keine Fütterung – weder an gezielten Futterstellen im Wald noch durch Unwissen in Siedlungen – damit unser Wild auch strenge Winter möglichst gesund übersteht.

Überleben im Winter – Wildtiere sind Überlebenskünstler
Im Winter ruht die Natur und Nahrung ist nur wenig vorhanden. Zudem ist sie meist nährstoffarm. Wildtiere müssen darum Energie sparen. Für das Leben auf Sparflamme haben sie verschiedene Strategien entwickelt. Der Tagesrhythmus wird angepasst und zurückgefahren. Im Winter vermindern Rehe, Hirsche, Gämsen und Steinböcke ihre Aktivität auf ein Minimum und reduzieren auch den Stoffwechsel. Die Tiere senken ihre Körpertemperatur sowie den Puls und passen ihre Verdauungstätigkeit an. Trotzdem bleibt der Winter ein Engpass für Pflanzenfresser.

Auch mit ausgeklügelten Anpassungsstrategien werden nie alle Tiere den Winter überleben. Sterben im Winter gehört jedoch zur natürlichen Auslese, die für das ökologische Gleichgewicht wichtig ist. Um den Winter zu überleben, ist es für Wildtiere enorm wichtig, dass sie möglichst nicht gestört werden. Schalenwild braucht im Winter vor allem Ruhe.

 

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Bild: naturpix.ch

Bild: naturpix.ch
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Bild: Amt für Wald und Naturgefahren Graubünden

Bild: Amt für Wald und Naturgefahren Graubünden
Bild: Amt für Wald und Naturgefahren Graubünden

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Bild: naturpix.ch

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Die Lancierung der Kampagne stösst auf grosses Medien-Interesse. (Bild: W.Candreia)

Die Lancierung der Kampagne stösst auf grosses Medien-Interesse. (Bild: W.Candreia)
Daniel Albertin erklärt die Massnahmen auf seinem Bauernhof. (Bild: W.Candreia)

Daniel Albertin erklärt die Massnahmen auf seinem Bauernhof. (Bild: W.Candreia)
Siloballenlager müssen wildtiersicher eingezäunt werden. (Bild: A.Mazzetta)

Siloballenlager müssen wildtiersicher eingezäunt werden. (Bild: A.Mazzetta)
Zufriedene Initianten der Kampagne Stop-Wildtierfütterung (Bild: W.Candreia)

Zufriedene Initianten der Kampagne Stop-Wildtierfütterung (Bild: W.Candreia)

 

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Artikel verfasst von

Kampagen Stop-Wildtierfütterung

Bild: naturpix.ch