Shorty revival: Waldrapp „Hannibal“ in der Schweiz

Aug 21 06:19 2016  

Der Waldrapp Shorty hat im Herbst 2012 beim Flug in den Süden den Anschluss verloren und in Folge allein in der Schweiz am Zugersee überwintert. Seine Geschichte hat für viel Aufsehen gesorgt, insbesondere in der Schweiz. Nun gibt es im Wiederansiedlungsprojekt LIFE+ Reason for Hope neuerlich eine ähnliche Geschichte, diesmal geht es um das junge Weibchen „Hannibal“.

Hannibal stammt aus dem Tiergarten Rosegg in Kärnten. Gemeinsam mit 31 Artgenossen wurde sie in Österreich von zwei menschlichen Zieheltern aufgezogen und darauf trainiert einem Fluggeräte zu folgen. Im Herbst 2015 wurde die Gruppe dann über die Alpen in den Süden geführt. Beinahe am Ziel, beim Flug über den Apennin, hat Hannibal den Anschluss verloren und blieb für lange Zeit spurlos verschwunden.

Am 20. Juni 2016 wurde Hannibal, die die Ringnummer 090 trägt, ganz überraschend bei Mailand gesichtet. Von dort verschwand sie aber rasch wieder. Am 19. Juli tauchte sie dann im Schweizer Tessin auf, am Nordende des Langesees (Koordinaten 46.16476, 8.94410). Sie ist offensichtlich in guter Verfassung. Wie Shorty, hat auch Hannibal einen Winter allein auf sich gestellt überlebt. Bei ihr ist das fast noch überraschender, denn während Shorty als Wildvogel aufgewachsen ist, wurde Hannibal von menschlichen Zieheltern aufgezogen und war bis zum Verschwinden wohl behütet und umsorgt. Johannes Fritz, Leiter des LIFE+ Wiederansiedlungsprojektes: „Hannibal ist für unser Projekt ein Glücksfall. Sie zeigt, dass auch unsere menschenaufgezogenen Vögel sehr gut in freie Wildbahn überleben können, selbst wenn sie auf sich allein gestellt sind.“

Das Waldrappteam will nun alles daran setzen Hannibal zu fangen um ihn in die Wildpopulation zu integrieren. Daniela Trobe, LIFE+ Team: „Waldrappe sind sehr soziale Vögel. Für Hannibal ist es sicher das Beste, wenn sie wieder zu ihren Artgenossen kommt.“ Deshalb will das Team bei den Schweizer Behörden einen Fanggenehmigung beantragen um dann die Schweizer Partner um Mithilfe bitten, insbesondere die Schweizer Zoovereinigung und die Vogelwarte Sempach. J Fritz: „Da der Vogel keinen GPS Sender trägt, sind wir auf Sichtmeldungen angewiesen und hoffen auf Meldungen aus der Bevölkerung.“

Der Waldrapp ist ein Zugvogel, der bis ins 17. Jahrhunderte im nördlichen Alpenvorland heimischer war. Heut ist er in seinem gesamten Verbreitungsgebiet hochgradig vom Aussterben bedroht. Das Wiederansiedlungsprojekt „Reason for Hope“ wird von der Europäischen Gemeinschaft im Rahmen des LIFE+ Programms kofinanziert. Acht Partner aus Deutschland, Österreich und der Schweiz wollen bis 2019 zumindest 120 Vögel aus Zookolonien auswildern. Aktuell umfasst der Bestand bereits 98 Vögel, mit Hannibal 99. Brutgebiete sind in Burghausen, Bayern, und in Kuchl, Land Salzburg. Ab 2017 soll ein drittes Brutgebiet in Überlingen am Bodensee, Baden Württemberg, gegründet werden. Alle Vögel haben ein gemeinsames Wintergebiet in der südlichen Toskana. Das Weibchen Shorty is derzeit in ihrem Brutgebiet in Burghausen.

Sichtmeldungen bitte an info@waldrapp.eu oder Daniela Trobe 0043 660 1427204.