Vogel des Jahres 2015

Jan 05 09:50 2015 SVS/BirdLife Schweiz und Vogelwarte Sempach

Der Haussperling ist vom SVS/BirdLife Schweiz zum Vogel des Jahres 2015 gewählt worden. Die vermeintliche «Allerweltsart» ist in manchen Gebieten der Schweiz in den letzten dreissig Jahren in ihrem Bestand um 20 bis 40 Prozent zurückgegangen. Die Wahl zum Vogel des Jahres soll darauf aufmerksam machen, dass mehr Natur im Siedlungsraum für den Haussperling, viele andere Arten und den Menschen dringend nötig ist.

Einst verehrt, dann verfolgt
In der Antike wurde der Haussperling verehrt, dann änderte sich sein Ruf und er wurde als Schädling im Getreidebau angesehen. Dies gipfelte in China unter Mao Tse-tung darin, dass auf seinen Befehl hin annähernd 2 Milliarden Sperlinge getötet wurden, was eine Insektenplage zur Folge hatte. Diesem schlechten Ruf konnte sich der Hausspatz zum Glück vielerorts wieder entledigen, da er erwiesenermassen ein guter und vor allem biologischer „Schädlingsvernichter“ ist. Die Bezeichnung "ein herziges Spätzli" zeigt aber auch die Verbundenheit der Menschen mit dem Hausspatz.

Weltenbummler
Ursprünglich in Asien und dem Mittelmeerraum beheimatet, ist der Haussperling heute bis auf wenige Ausnahmen auf der ganzen Welt anzutreffen. Er folgte dem Menschen auf seinen Reisen oder wurde absichtlich auf anderen Kontinenten eingebürgert. Als eigentlich anpassungsfähiger Kulturfolger ist er überall dort anzutreffen, wo er Nist- und Nahrungsmöglichkeiten vorfindet, so in Dörfern, Vorstadtbezirken, Gartenstädten oder Stadtzentren mit grossen Parkanlagen.

Ein grosser Latz imponiert
In unseren Breitengraden ist der Haussperling praktisch ein reiner Höhlenbrüter. Er nistet oft kolonieweise in Nischen und Höhlen an Gebäuden, in Nestern von Schwalben oder in Nistkästen. Die Männchen werben intensiv um die Weibchen. Am meisten Erfolg haben dabei die Männchen mit dem grössten schwarzen Brustlatz.

Wohnungsnot beim Haussperling
Die moderne Bauweise bietet für den Spatz leider kaum noch geeignete Nistplätze. Bei Renovationen von alten Häusern werden Nischen oft verschlossen. Der Haussperling gerät damit zunehmend in Wohnungsnot. Zudem bietet die Aussenraumgestaltung mit immer mehr versiegelten Flächen und vielen exotischen Pflanzen deutlich weniger Nahrung in Form von Insekten und Sämereien. Dies führt dazu, dass die Bestände des Haussperlings in vielen europäischen Ländern abnehmen. In England musste die Art sogar in die Rote Liste der gefährdeten Vogelarten aufgenommen werden. In der Schweiz sind die Bestände gebietsweise seit 1980 um 20 bis 40 Prozent zurückgegangen.

Botschafter für mehr Natur im Siedlungsraum
Mit einfachen Massnahmen kann dem Hausspatz geholfen werden. Wichtig ist es, bei Renovationen die Einschlupflöcher und Brutnischen zu erhalten oder durch Nisthilfen zu ersetzen. Auch an neuen Gebäuden können Nistmöglichkeiten integriert werden. Begrünte Wände dienen als Nist- und Schlafplätze. Mit Blumenwiesen, einheimischen Büschen und Sträuchern kann das Nahrungsangebot in Form von Sämereien und Insekten in Gärten und öffentlichen Räumen wieder erhöht werden. Von diesen Massnahmen profitiert nicht nur der Haussperling, sondern allgemein die Biodiversität im Siedlungsraum, was auch zu einer verbesserten Lebensqualität des Menschen führt.


Ein A3-grosses Poster zum Haussperling kann beim SVS/BirdLife Schweiz für Fr 1.- in Briefmarken bezogen werden. Bitte senden Sie ein an Sie adressiertes C5-Couvert an: SVS/BirdLife Schweiz, Postfach, 8036 Zürich. Weitere Informationen zum Vogel des Jahres 2015 inklusive Filmaufnahmen finden Sie auf der SVS/BirdLife-Homepage.