Vogel des Jahres 2014

Jan 22 14:09 2014 SVS/BirdLife Schweiz und Vogelwarte Sempach

Die Waldohreule ist vom Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz zum Vogel des Jahres 2014 ausgewählt worden. Die Waldohreule liebt fliessende Übergänge zwischen Wald und Kulturland mit lichten Waldpartien, Magerwiesen, Hecken und extensiv genutztem Wiesland. Der SVS/BirdLife Schweiz macht mit der Waldohreule darauf aufmerksam, dass dieser Lebensraum stark schwindet.

Häufig aber unsichtbar
Der Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz hat die Waldohreule zum Vogel des Jahres 2014 gewählt. Die Waldohreule ist eine der häufigeren Eulen der Schweiz, doch kaum jemand sieht sie aufgrund ihrer nächtlichen Lebensweise. Sie brütet im Mittelland, im Jura und in den Alpentälern bis auf 1500 Meter. In der Dämmerung geht sie auf die Jagd. Den Tag verschläft sie auf einem Baum sitzend. Ihr leiser Ruf, ein kurzes „huh“, ist meist nicht weit zu hören.

Ohren, die keine Ohren sind
Besonders auffällig an der Waldohreule sind die namensgebenden Federohren – die gar keine Ohren sind. Die Waldohreule braucht sie als Ausdrucksmittel für ihre Mimik. Kaum ein anderes Tier kann seine Gemütslage so ausdrucksstark darstellen mit ihrem Gesichtsschleier und den Ohren wie die Waldohreule. Eulen faszinieren Menschen, da sie wie diese beide Augen vorne im Gesicht haben. Dadurch haben sie jedoch einen kleinen Blickwinkel. Die Eulen kompensieren dies durch eine aussergewöhnliche Drehfähigkeit des Halses. Dank 14 Halswirbeln (Mensch nur 7) können die Eulen ihren Kopf um 270° drehen. Somit sind sie in der Lage zu beobachten, was hinter ihrem Kopf passiert, ohne sich umwenden zu müssen.

Gewiefte Jägerin, einseitiges Menu
Spezialisiert ist die Waldohreule auch für die nächtliche Jagd. Nicht primär mit den grossen Augen, sondern mit dem sehr feinen Gehör ortet sie in dunkler Nacht ihre Beute, welche zu über 80% aus Feldmäusen besteht. Am besten hört die Waldohreule bei sieben Kilohertz, dem Spektrum in dem die Mäuse piepsen. Dank einem geräuschlosen Flug wegen gezahnten Flugschwingen und einer samtartigen Struktur auf den Federn, welche den Luftwiderstand brechen, kann sie die Mäuse überraschen und mit ihren sehr scharfen Krallen packen.

Die Anzahl Mäuse in einem Lebensraum bestimmt auch wieviele Eier die Waldohreule legt. In schlechten Mäusejahren sind es nur 3-5 Eier, in guten Mäusejahren legt sie bereits Ende Februar 6-8 Eier. Diese werden nur vom Weibchen in einem alten Krähennest am Waldrand oder in einem Feldgehölz ausgebrütet. Die Jungen sind ungleich alt, da das Weibchen bereits bei den ersten Eiern zu brüten beginnt. Nach 3 Wochen verlassen die Jungen noch im Dunenkleid das Nest, sitzen auf Ästen herum und fordern nachts laut fiepend die Eltern auf, Futter zu bringen. Erst nach circa 10 Tagen können sie fliegen und begleiten die Eltern auf der Mäusejagd.

Verlust der Übergangsbereiche Wald-Kulturland stoppen
Früher waren Übergangsbereiche zwischen dem Hochwald und dem Ackerland verbreitet. Lichte Waldpartien, Hecken, Obstbäume, Magerwiesen oder Weiden boten der Waldohreule einen optimalen Lebensraum. Heute ist die einstmals breite Übergangszone meist auf eine Linie zusammengeschrumpft, da im Wald ein dichter Hochwald wächst und auch das Kulturland stark intensiviert wurde. Halboffene Lebensräume sind aber für die Biodiversität sehr wichtig und bieten einer ganzen Anzahl Pflanzen- und Tierarten Lebensraum. Darum fordert der SVS/BirdLife Schweiz dazu auf, lichte Waldbereiche mit strukturreichem Kulturland zu kombinieren und wo immer möglich neu entstehen zu lassen. Dank vermehrter Energieholznutzung, Programmen für lichte Wälder und neuen Beiträgen in der Landwirtschaft für Landschaftsqualität nebst den Beiträgen zum ökologischen Ausgleich bestehen neue Anreize dazu. Damit kann ein schon fast verschwundener, artenreicher Lebensraum der traditionellen Kulturlandschaft erhalten bleiben.