Totholz lebt!

Apr 01 14:30 2012 SVS / BirdLife Schweiz

Totholz lebt! Rund 5000 Arten sind auf diesen faszinierenden Lebensraum angewiesen. Doch in vielen Wäldern hat es zuwenig Totholz. Der Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz fordert, dass die zunehmende Nutzung von Energieholz nicht dazu führt, dass mit dem wertvollen Totholz buchstäblich der Lebensraum gefährdeter Arten verheizt wird. Es gibt Alternativen in der Produktion von Energieholz.
Was auf den ersten Blick tot scheint, ist auf den zweiten Blick quicklebendig: totes Holz. Rund 5000 Arten, ein Viertel aller Arten im Wald, sind auf den Lebensraum Totholz angewiesen. Vor allem Pilze, Käferlarven, Asseln zersetzen altes und totes Holz. Flechten, Moose, Vögel und Insekten leben auf und im Totholz. Kleinsäuger, Reptilien und Amphibien verstecken sich darunter und Schnecken suchen Feuchtigkeit und Nährstoffe im liegenden Totholz.

Totholz als wichtiger Teil des Waldzyklus
Im Kreislauf des Waldes ist totes Holz ein natürliches Element der Altersphase. In naturnahen Wäldern ist bis zu einem Viertel der gesamten Holzmenge altes und totes Holz. Totholz ist ein wichtiger Lebensraum und sorgt für den Nährstoffkreislauf im Wald. Wird dem Wald zuviel Totholz entnommen, so geht nicht nur ein wertvoller Lebensraum verloren, auch die Versorgung des Bodens mit Mineralien und Nährstoffen ist nicht mehr gewährleistet. Dies bewirkt eine schlechtere Wuchsleistung der Bäume. Im Gebirge ist Totholz eine wichtige Keimhilfe für junge Bäume und kann, wenn es gut verankert ist, auch Lawinen, Steinschläge und Rutschungen verhindern.

Neue Bewirtschaftungsformen gesucht
Nachdem in den letzten Jahren vermehrt Totholz im Wald belassen wurde, droht im Zusammenhang mit der Energieholznutzung ein neuer Rückgang: Immer mehr Totholz wird dem Wald entnommen. Dabei braucht es in unseren Wäldern an vielen Orten mindestens zwei bis drei Mal mehr Totholz als heute, um nur schon die Bedürfnisse der häufigeren Totholzarten abzudecken.

Wir können es uns nicht leisten, den Lebensraum von rund 5000 Arten buchstäblich zu verheizen. Zur Bereitstellung von Energieholz müssen Lösungen gesucht werden, mit denen Forstdienst und Waldbesitzer den nötigen Anteil an Totholz auf der ganzen Waldfläche belassen können. Es gibt solche Bewirtschaftungsformen: Mittelwälder und Niederwälder dienten Jahrhunderte lang zur Brennholznutzung. Mit dem Bedarf an erneuerbaren Energien können sie eine Renaissance erleben. In Wäldern auf schlechten bis mässig guten Standorten kann ganz auf die Brennholznutzung gesetzt werden. Dies ergibt neue Waldbilder, mit stärkerer Nutzung auf gewissen Flächen. Dabei ist wichtig, dass Totholz bei der Ernte des Brennholzes auf der Fläche verbleibt und dass Gruppen von alten Biotopbäumen über deren Erntezeit hinaus im Wald stehen gelassen werden. Ansonsten würden diese Flächen für einen grossen Teil der Altholzfauna ihren Wert verlieren. Das Ausprobieren solcher Wirtschaftsformen erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen Waldbesitzern, Förstern und Naturschützern. Diese ist notwendig, damit der Lebensraum Totholz erhalten werden kann.

Den Wald nicht aufräumen!
Der Schweizer Vogelschutz ruft auch die Bevölkerung auf, Verständnis zu haben, wenn Totholz im Wald steht oder liegt. Dies bedeutet nicht, dass Forstdienst und Waldbesitzer keine Zeit zum Aufräumen haben. Vielmehr sorgen sie dafür, dass dem Wald ein wichtiger Lebensraum erhalten bleibt und er ein notwendiges Stadium seines Entwicklungszyklus durchlaufen kann.