Stadtdachs und Co. tappen in die Falle

Sep 22 09:20 2014 Verein StadtNatur

Viele Wildtiere leben zwar vor unserer Haustür. Doch zu sehen sind sie nur selten. Meist sind sie nachtaktiv und weichen den Menschen aus. Fotofallen in Gärten und Grünanlagen der Stadt Zürich machen nun dieStadtwildtiere erlebbar. Ein erstes Ergebnis der Aktion des Vereins StadtNatur zeigt: In der Stadt Zürich leben erstaunlich viele Dachse.

„Zuerst dachte ich, eine dicke Katze komme auf mich zu“, erzählt die Wildtierbiologin Sandra Gloor, Geschäftsführerin des Projekts StadtWildTiere. „Doch schnell war klar: Das kurzbeinige, schwarz-weisse Tier, das mir da zur nächtlicher Stunde im Friesenbergquartier begegnete, war ein Dachs. Seine langen Krallen kratzten gut hörbar auf dem Asphalt, bevor das Wildtier in einem Garten verschwand.“

Traditionelles Familientier
Dachse leben wie Füchse auch in der Stadt. Sie sind aber weit weniger anpassungsfähig als ihre roten Verwandten. Bei Dachsen leben die Elterntiere mit ihren Jungen im Familienverband und verbringen den Tag immer in ihrem Bau. Sie brauchen diesen sicheren Rückzugsort und sind auch draussen sehr scheu. Deshalb wohnen sie eher in den ruhigen Wohnquartieren am Stadtrand. In der Nacht sind einzelne Dachse jedoch fast in der ganzen Stadt unterwegs und wurden sogar schon am Bürkliplatz oder beim Friedhof Sihlfeld beobachtet. Ihre Baue graben Dachse in grosszügigen Grünanlagen, auf Friedhofarealen oder in einer verwilderten Ecke eines grossen Gartens. Sie bewohnen diese Baue über Jahrzehnte.

Dachse auf dem Vormarsch?
Die Eidgenössische Jagdstatistik und die entsprechenden Zahlen des Kantons Zürich deuten darauf hin, dass die Dachspopulation aktuell zunimmt. Die Arbeit des Vereins StadtNatur zeigt diese Entwicklung auch in der Stadt Zürich.

Auf der Plattform stadtwildtiere.ch können Wildtierbeobachtungen aus dem Siedlungsraum gemeldet werden. Seit dem Start der Plattform im Oktober 2013 wurden in Zürich 45 Dachsbeobachtungen gemeldet. Auf dem Gebiet der Stadt Zürich leben heute schätzungsweise 150 bis 250 Dachse. Eine genaue Schätzung des Bestandes zu machen, ist allerdings bei so versteckt lebenden Tieren ausgesprochen schwierig. Dachse wurden während der Tollwutzeiten durch Bauvergasungen stark dezimiert. Vermutlich beginnen sich die Bestände nun langsam wieder zu erholen. Dachse profitieren im Siedlungsraum von herumliegendem, fressbarem Abfall. Ausserdem lieben Dachse Fallobst, Beeren und Regenwürmer.

Die Stadt als Lebensraum für zahlreiche Wildtiere
Von Juni bis Oktober 2014 führen die Biologen von StadtNatur eine Fotofallenaktion in den Zürcher Quartieren durch. Zusammen mit den StadtNaturbeobachtern, einem Netzwerk von Freiwilligen, die sich im StadtWildTier-Projekt engagieren, werden die Fotofallen in privaten Arealen, Gärten oder städtischen Grünanlagen aufgestellt. Vier Fotofallen haben bislang während 13 Wochen an 23 verschiedenen Standorten rund 13‘000 Bilder von Wildtieren geschossen. Die Kameras sind so gestellt, dass kaum je ein Zweibeiner in die Fallen tappt (Personen-Bilder werden aus Datenschutzgründen umgehend gelöscht). Auf 926 Bildern sind Tiere zu sehen, darunter 325 Füchse, 12 Dachse, 56 Rehe, 15 Marder, 358 Katzen und 14 Igel.