Europa in Angst vor Rhino-Räubern

Mar 09 14:40 2012  

Die Jagd auf Rhinos findet längst nicht mehr nur in Afrika statt. Längst sind Naturkundemuseen, Tiergärten und Antiquitätenhandlungen zum Schauplatz der Jagd auf das in Asien mit Gold aufgewogene angebliche Wundermittel geworden – das Horn der Nashörner.

In Paris wurden die Wächter am Eingang des Jagdmuseums im Marais-Viertel Opfer einer Tränengasattacke. Die Angreifer stürmten in die erste Etage, griffen sich das Horn des dort ausgestellten weissen Nashorns und entkamen mit dem von einem Komplizen gefahrenen Fluchtwagen. Kurz vor dem Überfall entwendeten Unbekannte aus der Pariser Galerie Piasa ebenfalls unter Anwendung von Tränengas einen mit zahlreichen Skulpturen geschmückten Kelch, der aus einem Nashorn gefertigt war.

Keine Überraschung für die Männer der Sondereinheit für den Schutz von Kulturgütern OCBC. Bereits seit Jahresbeginn häufen sich die Überfälle, um an die Hörner zu kommen. Im März war das Museum für Naturgeschichte in Rouen Opfer eines Raubes, im Juli das Afrikanische Museum in Ile d’Aix und das Naturgeschichtliche Museum von Blois und im November ein Auktionshaus in Toulouse. Fast zwei Dutzend Hörner wurden 2011 in Frankreich schon entwendet. Auch in anderen europäischen Ländern wurden zahlreiche Hörner gestohlen. Europol meldet Diebstähle u.a. aus Grossbritannien, Deutschland, Belgien, Italien, Tschechien, Österreich und Schweden. Die Polizeiorganisation sieht die Organisierte Kriminalität verantwortlich. Viele Museen sichern mittlerweile die Exponate besonders ab oder stellen sie gar nicht mehr aus. Im Verdacht steht eine hervorragend organisierte Bande aus Irland, die auch in anderen kriminellen Bereichen wie Drogenhandel oder Geldwäscherei aktiv sind.

Die Attraktivität der Hörner für die Verbrecher ist nicht verwunderlich. Je nach Grösse und Qualität bringt so ein Horn zwischen 25 000 und 200 000 Euro auf dem Schwarzen Markt in Asien, wo das zerkleinerte Horn als Wundermittel gegen allerlei Gebrechen gilt. Mittlerweile befürchten auch Tierparks und Zoos Übergriffe gegen ihre Tiere. Aufwändig versuchen sie mit modernster Technik und Bewachung, ihre Tiere zu schützen. Die Angst vor den Kriminellen bleibt.