Pirol ist Vogel des Jahres 2013

Unsichtbare Goldamsel
Jan 24 13:44 2013 SVS / BirdLife Schweiz

Der Pirol ist der Vogel des Jahres 2013 des Schweizer Vogelschutzes SVS/BirdLife Schweiz. Der amselgrosse, goldgelbe Pirol ist einer der farbenprächtigsten Vögel unserer Region. Er lebt ausschliesslich in Laubwäldern der tieferen Lagen mit einem vielfältigen Insektenangebot. Momentan ist er in seinem Winterquartier in Südostafrika, wo er auf einige seiner Verwandten trifft. Als einziger der neun Pirolarten Afrikas kommt unser Pirol zwischen Mai und Juli zum Brüten nach Europa und bringt mit seinem flötenden Ruf ungewohnte, exotische Klänge in unsere Wälder. Die Erhaltung alter Eichen- und Auenwälder und ein naturnaher Waldbau für die Biodiversität helfen mit, den seltenen Waldbewohner zu fördern.

Unsichtbare Goldamsel
Der amselgrosse Pirol trägt ein goldgelbes Federkleid mit schwarzen Flügeln. Trotz des auffälligen Gefieders ist der Vogel hoch oben im grünen Blätterdach des Waldes aber nur schwer zu sehen. Der Pirol ist nicht nur einer der farbenprächtigsten Vögel unserer Region, sein Ruf, mit dem er trotz der Tarnung seine Anwesenheit verrät, ist einmalig in unseren Wäldern. Das laute Flöten passt viel eher ins tropische Afrika als in einen Schweizer Wald. In Afrika leben seine nächsten Verwandten, und jeden Winter kehrt er zu ihnen zurück.

Länger in Afrika als in der Schweiz
Momentan ist der Pirol in seinem Winterquartier in Südostafrika. Zusammen mit afrikanischen Pirolarten hält er sich in Baumsavannen und Galeriewäldern auf und das noch bis in den April hinein. Dann machen sich die Vögel auf ihren bis zu 11'000 Kilometer langen Weg in den Norden um bei uns zu brüten. Dafür brauchen sie nur gerade drei bis vier Monate und ziehen dann bereits wieder nach Süden.

Insektenreiche, alte Laubwälder gefragt
Wenn der Pirol Anfang bis Mitte Mai in der Schweiz ankommt, sucht er sich ein insektenreiches Laubwaldgebiet, oftmals mit angrenzenden, blütenreichen Wiesen bis in etwa 600 Meter Höhe. Alte Eichen- und Auenwälder werden dabei bevorzugt, da sie einen grossen Artenreichtum aufweisen und von unzähligen Insekten besiedelt werden. In der Schweiz brüten jährlich 1000-2000 Pirolpaare. Das Weibchen flicht ganz allein ein kunstvolles Nest in eine Astgabel. Es legt 3-4 Eier, aus welchen nach 15 Tagen Brutdauer die Jungen schlüpfen.

Dank roten Kirschen ein gelber Vogel
Der Pirol bevorzugt als Nahrung Schmetterlinge aller Art und deren Raupen. Er reichert seinen Speisezettel aber auch mit anderen Insekten an wie Ameisen, Heuschrecken und diversen Käfern. Eine besondere Vorliebe hat der Vogel zudem für Kirschen. Darum befinden sich in einem Pirolrevier fast immer Kirschbäume. Pirole fressen Kirschen auch als Grundnahrungsmittel und verfüttern sie an ihre Jungvögel, wenn Insekten infolge kühler Witterung knapp werden. Zudem beinhalten die roten Früchte Karotinoide, welche zum Gelb der Federn beitragen.

Botschafter für Waldwirtschaft mit viel Biodiversität
Der Pirol ist auf der Roten Liste (noch) nicht als bedroht eingestuft, leidet aber unter dem Rückgang von Lebensräumen in der Schweiz und in Afrika. In Mitteleuropa liegen die Ursachen in der Zerstörung von Auenwäldern, der intensiven Nutzung des Kulturlandes um die Wälder herum und in einem Mangel an alten Laubwäldern. Die Auflichtung des Kronenbereichs infolge von Schadstoffen hat Auswirkungen auf den Bruterfolg. Die Winterquartiere in Afrika sind durch Abholzung oder Brandrodung der Wälder und Überweidung der Baumsavannen bedroht. An deren Stelle werden Palmöl- und zunehmend auch Sojaplantagen angelegt. Nachhaltige, pestizidfreie Landwirtschaft in Afrika, keine Nutzung von Tropenhölzern und die Erhaltung und Förderung insektenreicher Wälder mit alten Bäumen im Rahmen des naturnahen Waldbaus für die Biodiversität in Europa sowie der Schutz insbesondere von Eichen- und Auenwäldern sind Schutzmassnahmen für den Pirol.