Neuer Impfstoff gegen Borreliose

May 17 15:09 2013  Lancet Infectious Diseases

Einem Team aus österreichischen und internationalen Forschern ist ein entscheidender Forschungserfolg gelungen: sie haben einen Impfstoff gegen die gefürchtete Borreliose-Erkrankung entwickelt, die von Zecken übertragen wird, und an Probanden getestet – mit gutem Erfolg, wie berichtet wird. Eine Wirksamkeitsstudie steht aber noch aus.

Im Gegensatz zur Gehirnhautentzündung FSME gab es gegen die viel häufiger auftretende Borreliose bisher keine Schutzimpfung. Dabei tragen viele Zecken Borreliose-Erreger im Darm. Bei einem Stich werden die Bakterien nach einiger Zeit auf den Menschen übertragen. Die Erkrankung kann alle Organe befallen und bleibende Schäden wie Lähmungen hinterlassen. Am häufigsten sind der Sehnerv, Nerven in Händen und Füßen, sowie die Gesichtsnerven betroffen. Ein weiteres Symptom sind springende Gelenkschmerzen mit Schwellungen und extreme Muskelschmerzen, aber auch Entzündungen im Gehirn können auftreten.

Zu spät erkannt, gibt es keine Heilung
Oft wird die Borreliose zu spät erkannt und kann dann auch nicht mit langen Antibiotikabehandlungen geheilt werden. Denn den berühmten roten Kreis nach einer Infektion bekommen nur 30 bis 50 Prozent der Betroffenen. Man schätzt, dass jährlich in der Schweiz etwa 10'000 Menschen daran erkranken. Experten die sich intensiv mit der Krankheit beschäftigen, sprechen von deutlich mehr Neuerkrankungen.

Die Zecke wird „mitgeimpft“
Die Borreliose kann mit einer Antibiotika-Therapie gut behandelt werden, eine prophylaktische Impfung ist aber nicht verfügbar. In einer aktuellen, multizentrischen Studie, an der die MedUni Wien beteiligt war, wurde nun die Wirksamkeit eines möglichen Impfstoffs gegen Borreliose nachgewiesen. Die Ergebnisse der Studie, die Hoffnung auf die Entwicklung eines präventiv einsetzbaren Impfstoffs gegen Borreliose machen, wurden nun im Top-Magazin "Lancet Infectious Diseases" veröffentlicht. Beteiligt daran war ein Team der MedUni Wien von der von der Universitätsklinik für Klinische Pharmakologie unter der Leitung von Markus Müller und vom Institut für spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin unter der Leitung von Herwig Kollaritsch gemeinsam mit Studienzentren in New York, Mainz und Tübingen und einem Team der Baxter AG.
Die neue Impfung soll die Borrelien unschädlich machen, so Markus Müller von der Medizinischen Universität Wien. „Der Geimpfte entwickelt in Reaktion auf die Impfung Antikörper. Das Besondere daran ist, dass die Zecke mitgeimpft wird: während ihrer Blutmahlzeit nimmt sie aus dem Blut des Geimpften diese Antikörper auf. Diese führen dazu, dass die Bakterien auch in der Zecke neutralisiert werden.“

Impfstoff soll in drei Jahren marktreif sein
Klinische Tests haben die Wirkung des Impfstoffs nachgewiesen. In etwa drei Jahren, so die Experten, könnte er auf dem Markt sein. Borreliose tritt deutlich häufiger auf als die Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME), gegen die es eine Schutzimpfung gibt. Problem bei der Borreliose: Auch nach einer durchgemachten Infektion mit den Bakterien ist man nicht immun. Hier könnte die Schutzimpfung helfen - auch wenn Borrelien von anderen Insekten übertragen werden.