Baum- und Steinmarder

Jan 21 02:30 2012  

Gleichzeitig mit der rasanten Zunahme der Berichte und wissenschaftlichen Arbeiten über Schalenwild ging das Interesse an manchen Wildarten, meist jenen ohne augenscheinliche Trophäen, zurück. So überrascht es nicht, dass sich im Verhältnis zu Schalenwildarten nur wenige Arbeiten im deutschsprachigen Raum mit der Alterszusammensetzung von Marderpopulationen oder der Altersschätzung bei Mardern auseinandersetzen.

Hinzu kommt, dass die Angaben zum Alter beim Baum- und Steinmarder in den jeweiligen Arbeiten - ähnlich wie beim Dachs - stark variieren. Versucht man einen Querschnitt zu legen, so ergibt sich folgendes Bild: Als Höchstalter dürften beide Arten ein Alter von rund 12 Jahren, vereinzelt auch darüber hinaus, erreichen können. In Gefangenschaft gehaltene Steinmarder wurden vereinzelt sogar bis zu 18 Jahre alt. Natürlich ist die Lebenserwartung im Freiland geringer, aber auch hier werden sehr unterschiedliche Altersangaben gemacht.
Bei der Auswertung von Strecken ist immer Vorsicht geboten, da zwar ein Populationstrend sichtbar ist, allerdings das Alter der erlegten oder gefangenen Tiere nicht 1:1 auf die Population übertragen werden kann. Werden beispielsweise in einer Streckenanalyse die drei ältesten Marder mit 8 Jahren angegeben, scheinen diese Tiere zwar schon ??alt?? zu sein, aufgrund der Erlegung wird man allerdings nur schwer erfahren können, ob diese drei Tiere nicht auch 14 Jahre alt hätten werden können. Nimmt man allerdings im Freiland für Marder ein Höchstalter von rund 8 bis 12 Jahren an, dürfte man nicht allzu falsch liegen, denn die durchschnittliche Lebenserwartung liegt deutlich tiefer und dürfte sich bei maximal 4 bis 5 Jahren bewegen.

Populationsstrukturen stark dichteabhängig
Bezüglich der altersmässigen Struktur innerhalb einer Marderpopulation lohnt es sich, einen Blick zur Verwandtschaft nach Amerika, zum Fichtenmarder, zu werfen. Zu dieser Art liegen wesentlich ausführlichere Datenreihen vor und die Ergebnisse unterscheiden sich auch nicht allzu sehr von jenen im europäischen Raum. Grundsätzlich erscheint es so, dass Marder, wenn sie drei, besser noch vier Jahre erreicht haben, gute Chancen besitzen, dann auch sieben Jahre oder sogar älter werden zu kÜnnen.
Interessant ist, dass der Anteil der Jungmarder im ersten Jahr sehr stark schwankt, was allerdings sehr häufig auf populationsdynamische Faktoren zurückzuführen ist. Je nach Anzahl von dominanten erwachsenen Tieren, schwankt die Anzahl jener Fähen, welche auch tatsächlich Junge zur Welt bringen.
So liegt die Schwangerschaftsrate der zweijährigen und älteren Fähen zwischen knapp 35% und etwas über 90%. Im Gegensatz dazu variiert die Anzahl der trächtigen einjährigen Fähen zwischen 13% und knapp 80%. Ob es auch bei den kleinen Beutegreifern ähnlich wie bei anderen Arten für das Einzelindividuum von Nachteil ist, sehr früh Junge zur Welt zu bringen, um die Population zu stützen, scheint kaum erforscht.
Mögliche Auswirkungen auf die körperliche Entwicklung sind nicht ausgeschlossen und könnten Einfluss auf das erreichbare Höchstalter des Tieres nach sich ziehen.
Aufgrund dieser starken Schwankungen in den Trächtigkeitsraten ist es schwer, sich auf eine altersmässige Struktur in Marderpopulationen festzulegen. Im Schnitt könnte aber eine Marderpopulation wie folgt aufgebaut sein: Tiere bis zu einem Jahr machen zwischen 30% und 40% aus, gefolgt von den ein- bis dreijährigen, welche mit rund 40% bis 50% vertreten sind. Die vier- bis siebenjährigen Marder können noch einen Anteil von 15% an der Population ausmachen, ältere Marder bestenfalls nur mehr 5%. Bei Steinmarderpopulationen in menschlicher Nähe, wie Dörfern oder Städten, kann durch oft hohe Verluste unter Jungmardern (Verkehr, Hunde, Verlust ganzer Gehecke usw.) die Alterspyramide zugunsten der älter als einjährigen Marder verschoben sein.

Altersbestimmung
Die Altersbestimmung von Baum- und Steinmardern verläuft nach sehr ähnlichen Merkmalen, wobei bis zu einem Jahr alte Tiere leicht zu bestimmen sind.
Später tritt, ausser bei der unrationellen Zahnschliffmethode, oft eine recht grosse Streuung der Altersmerkmale auf. Vorteilhaft bei der Altersschätzung älterer Marder ist Vergleichsmaterial in Form von Schädeln unterschiedlich alter Marder beider Geschlechter.
Der Zahnwechsel beginnt im zweiten und ist nach dem vierten Lebensmonat abgeschlossen. Bestes Unterscheidungsmerkmal dafür sind neben der Körpergrösse und den Schädelmassen die Milchzähne, welche kleinkalibriger und spitzer sind. Mit sechs Monaten sind die Schädelnähte im Nasenbein- und Oberkieferbereich noch nicht verwachsen und damit gut zu erkennen. Im achten Lebensmonat sind die Nähte bereits geschlossen und mit einem Jahr meist nur mehr sehr undeutlich zu erkennen.
Am Ende des ersten Lebensjahres ist auch der Schädelkamm deutlich ausgebildet, wobei dieser bei weiblichen Mardern nicht die Stärke und Geschlossenheit des Kammes männlicher Tiere erreicht.
Mit Vollendung des zweiten Lebensjahres zeigen Schneide- und Eckzähne Abnutzungen, am 4. Prämolaren ist ein schmales Dentinband freigelegt und der Schädelkamm hat seine endgültige Form erreicht.
Bei älter als zweijährigen Mardern nimmt der Zahnabschliff ständig zu und die freien Dentinflächen werden auf allen Zähnen grösser.
Weitere Altersmerkmale sind noch der Zahnabschliff am 4. Prämolaren und 1. Molaren der Oberkiefer und der Verknöcherungszustand des Penisknochens. Als Grenzwert des Penisknochengewichtes zwischen jungen und alten Rüden werden für den Steinmarder 0,4 Gramm und den Baummarder 0,22 Gramm angegeben.