Info Flora

Nov 02 11:49 2012 Info Flora

Aus dem Zusammenschluss von zwei zur Förderung von Wildpflanzen tätigen, nationalen Organisationen ist unter dem Namen „Info Flora“ im April 2012 ein nationales Daten- und Informationszentrum zur Schweizer Flora mit Sitz in Genf und Bern entstanden. Die Schweiz hat nun also neben einer Vogelwarte auch eine Pflanzenwarte.

Die Stiftung „Info Flora“ vereint die bisherigen Organisationen ZDSF (Zentrum des Datenverbundnetzes der Schweizer Flora) und SKEW (Schweizerische Kommission für die Erhaltung der Wildpflanzen) zu einem einheitlichen Kompetenzzentrum für die in der Schweiz wildwachsenden Pflanzen. Analog zur Vogelwarte gibt es damit in der Schweiz auch eine „Pflanzenwarte“, welche sämtliche Informationen zu Wildpflanzen sammelt und der Verwaltung und der Öffentlichkeit zur Verfügung stellt. Die Stiftung wird grösstenteils vom Bund finanziert, wird aber auch von Pro Natura und der Schweizerischen Akademie der Naturwissenschaften mitgetragen. Die Botanischen Gärten von Genf und Bern unterstützen die Geschäftsstellen der Stiftung.

Warum braucht es denn überhaupt eine „Pflanzenwarte“? Die überarbeitete Homepage bietet viele Informationen und ist einen Besuch wert. Übrigens: für echte Botanik-Freunde gibt es auch die Möglichkeit, online ein Feldbuch mit seinen Pflanzen-Beobachtungen zu führen!

Und die erst kürzlich lancierte Online-Plattform wird bereits rege genutzt. Wildpflanzenfreunde berichten offenbar gerne über die von ihnen bei Spaziergängen und Wanderungen beobachteten Pflanzen. So hat die Pflanzenwarte in den drei Wochen seit der Lancierung des Online-Feldbuches mit knapp 2’000 Beobachtungen so viele Meldungen zum Vorkommen interessanter Wildpflanzen erhalten wie im gesamten Halbjahr zuvor!
Mit dem neuen Internet-Tool können Pflanzenfreunde ihr eigenes „Feldtagebuch“ online führen, in dem sie dort ihre Pflanzenfunde eintragen und bearbeiten. Eine grafische Statistik und eine zoombare Karte zeigen fortlaufend den Stand der eigenen Fundmeldungen. Das scheint Amateur- und Profibotaniker gleichermassen zu motivieren und fördert das Ideal des „mitforschenden Bürgers“. Von diesem Elan profitiert auch die nationale Pflanzenwarte Info Flora, welche die meisten Daten bei Bedarf der Forschung und den Naturschutzbehörden zu Verfügung stellen darf.
Wer nun selber auch ein Online-Feldbuch mit seinen Pflanzenbeobachtungen führen möchte, kann sich ganz einfach über die entsprechende Login-Seite anmelden!
 

Wildpflanzen prägen unsere Umwelt
Wildpflanzen sind ein prägender Bestandteil unserer Umwelt. Wir begegnen ihnen nicht nur auf unseren Spaziergängen ins Grüne oder während dem Joggen durch den Wald. Sie schützen vor Naturkatastrophen, liefern lebensspendenden Sauerstoff, bieten Nahrung für die Wildtiere, strukturieren und färben die Landschaft. Und viele sind einfach schön und geheimnisvoll.

Interesse an Wildpflanzen nimmt zu
Die Wartelisten für ausgebuchte Feldbotanik- und Heilpflanzenkurse zeigen es: die Wildpflanzen erfreuen sich zunehmender Beliebtheit in der breiten Öffentlichkeit. Aber auch in der Landwirtschaft, der Planung und Verwaltung haben Wildpflanzen in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Kenntnisse zu Pflanzen, deren Verbreitung und Gefährdung sind gefragter denn je.

Info Flora zeigt die Verbreitung der Wildpflanzen
Viele Pflanzen waren einst weiter verbreitet als heute. Sie sind im Rückgang. Neue, vom Menschen eingeschleppte Pflanzen breiten sich hingegen aus, und einige davon bedrohen die einheimische Vegetation. Das Daten-­ und Informationszentrum sammelt alle Informationen, bereitet sie auf und stellt sie wieder zur Verfügung: der Verwaltung, der Forschung, den Naturschutzverbänden, der Politik und der Öffentlichkeit. Dafür existieren bereits grosse Datenbanken mit mehreren Millionen Einträgen.

Grossprojekt Rote Liste
Gemeinsam mit hunderten von ehrenamtlichen Mitarbeitern werden die seltenen und gefährdeten Arten beobachtet. Aus tausenden von Beobachtungen über das Vorkommen oder Verschwinden von Wildpflanzen wird schliesslich von Info Flora die offizielle Rote Liste herausgegeben. Diese Liste gibt Auskunft über die Gefährdungssituation aller einheimischen Wildpflanzen und ist die Basis für die Planung und den Naturschutz.

Infoplattform für Wildpflanzen
Eine Website für den Informationsaustausch wird kontinuierlich ausgebaut und verbessert, denn sie soll der zunehmenden Nachfrage gerecht werden. Hier können alle, Expertinnen wie Laien, ihre Beobachtungen angeben. Umgekehrt erhält man hier eine breite Palette von Informationen über einheimische Wildpflanzen und invasive Neophyten: wie sie geschützt bzw. bekämpft werden können.

Zusammenarbeit mit anderen nationalen Zentren
Info Flora steht nicht allein. Es gibt auch nationale Zentren zu verschiedenen Tiergruppen, zu Moosen, Pilzen und Flechten. So arbeitet Info Flora in vielen Fragen und Dienstleistungen eng mit der Vogelwarte, mit CSCF-Info Fauna und den an der WSL (Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft) angegliederten Pilz-­ und Flechtenzentren zusammen.