Gut kombiniert

Jan 21 02:19 2012  

Die Gesellschaftsjagd auf Schalenwild ist effizient und in Deutschland zur Regulierung der Bestände unverzichtbar. Welches Konzept wir wählen, hängt von der Wildart ab. Aber was machen wir zum Beispiel in einem Revier, in dem Rotwild und Schwarzwild gleichzeitig vorkommen? Wildbiologin Gundula Thor beschreibt mögliche Strategien.

Deutschland hat im europaweiten Vergleich mit die längsten Jagdzeiten auf bestimmte Schalenwildarten. Für unser Wild ist es aber ganz schön stressig, wenn wir Jäger rund ums Jahr und – bei Sauen im Revier – womöglich auch noch rund um die Uhr draussen sitzen. Auf diese Weise wird ein permanenter, latenter Jagddruck aufgebaut, der wildbiologisch und jagdstrategisch kontraproduktiv und schädlich ist. Da ist sogar der Störeffekt von Spaziergängern, Radfahrern und Reitern geringer. Denn das Wild weiss sehr wohl zu unterscheiden, ob Mensch oder Tier den Wald in harmloser oder tödlicher Absicht betreten. Das geht sogar so weit, dass ein satter Luchs vom Schalenwild ignoriert wird, während ein hungriger Luchs den Fluchtreflex auslöst. Schwammerlsucher (Pilzsammler) allerdings, die bereits mit beginnendem Morgengrauen abseits der Waldwege geräuschlos durch die Dickungen huschen und in gewissem Sinne ja ebenfalls unterwegs sind, um Beute zu machen, stören besonders das Rotwild gewaltig, wie Untersuchungen zeigten.

Aber auch der versierteste Jäger braucht nicht zu glauben, dass er vom Wild völlig unbemerkt zum Hochsitz gelangen, ansitzen oder pirschen kann. Ein leichtes Küseln des Windes reicht, um dem Wild im näheren Umkreis die Anwesenheit eines gefährlichen Superprädators auf Jagd zu vermelden. Natürlich ist es dadurch beunruhigt. Das wären Sie an seiner Stelle auch.

Flexibles Konzept
Eine gute und Erfolg versprechende Lösung im Schalenwildrevier ist ein intelligentes, flexibles Bejagungskonzept. Es besteht zum Beispiel aus Intervalljagd, gegebenenfalls Schwerpunktbejagung, und einer Kombination aus gezielter Einzeljagd sowie wenigen, aber effektiven Gesellschaftsjagden. Erfahrungsgemäss macht es allerdings keinen Sinn, neben den eigentlichen Jagdzeiten fixe, starre Zeiträume für die Intervalljagd vorzugeben und akkurat einzuhalten. Denn Jagd muss, wenn sie erfolgreich sein soll, zum Beispiel aufs Wetter abgestimmt sein. Dass zudem die örtlichen Gegebenheiten und Besonderheiten eines Schalenwildvorkommens ganz wesentlich sind und in der Planung berücksichtigt werden müssen, versteht sich von selbst.

Gesellschaftsjagden auf Schalenwild kann man als Sammelansitze und Drückjagden respektive Bewegungsjagden durchführen. Das kommt auf die jeweilige(n) Wildart(en) und auf die Revierverhältnisse an. Der ganz grosse Vorteil einer gut organisierten Gesellschaftsjagd auf Schalenwild ist: Es handelt sich um eine konzertierte Aktion. Überfallartig und mit Aussicht auf guten Jagd-erfolg hat man die Chance, effizient Beute zu machen, während das Wild nur ein paar wenige Stunden lang beunruhigt wird.

Nutzen wir doch die Gelegenheit zur gemeinsamen Jagd in fröhlicher Runde! Auch wenn wir Waldläufer oder Wurzelstolperer, wie mein Vater sich selbst immer scherzhaft bezeichnet hat, einen ausgeprägteren Hang zur Einsamkeit besitzen als der Durchschnitt: Es macht erfahrungsgemäss einfach Freude, nach einer schönen Gesellschaftsjagd zusammenzusitzen und sich über das Erlebte auszutauschen. Gleichzeitig kann man auf diese Weise der Erfüllung des Abschussplans näherkommen und dem Wild notwendige Phasen der Jagdruhe verschaffen.

Theorie & Praxis
Bei den Gesellschaftsjagden auf Schalenwild ist es wie überall: Es gibt Theorie und Praxis. Zwischen beiden klafft oft eine weite Kluft. Das liegt auch (aber nicht hauptsächlich) daran, dass wir selten nur eine einzige Schalenwildart im Revier haben. Es werden Prioritäten gesetzt und Kompromisse eingegangen. Das kann funktionieren und in Ordnung sein für das Wild und den Jagderfolg. Es kann sich aber auch als ungünstig entpuppen. Im Folgenden wollen wir uns Strategien ansehen, die für die Gesellschaftsjagd auf Rotwild und Schwarzwild aus wildbiologischer Sicht geeignet wären. Sie ergeben sich durch Unterschiede in der sozialen Organisation und im Verhalten der beiden Schalenwildarten. Und dann sehen wir uns ein konkretes Beispiel an, wie bei gleichzeitigem Vorkommen der beiden Wildarten wildgerecht und erfolgreich agiert wird.

Rotwild
Beim Rotwild geht die Säugezeit bis hinein in den Winter, manchmal sogar bis zum nächsten Frühjahr. Die Führungszeit dauert noch sehr viel länger. Ein Tier leitet und lehrt sein Kalb, wie man heute weiss, bis zu anderthalb oder fast zwei Jahre lang im Kahlwildrudel. Das ist eine so genannte Mütter-Jungen-Gruppe mit kooperativer Aufzucht unter Führung eines Leittiers. Da Rotwild sehr lernfähig und intelligent ist, sind die Lerninhalte entsprechend anspruchsvoll und benötigen Zeit. Von den Alttieren wird unter anderem Folgendes an den Nachwuchs weitergegeben (tradiert): geeignete Äsungspflanzen, Äsungs- und Ruheflächen, Wechsel zwischen Tages- und Nachteinständen, Fernwechsel zwischen Sommer- und Wintereinstandsgebieten sowie Feindvermeidungsstrategien. Oberstes Gebot bei der Bejagung von Rotwild ist es daher, niemals ein Tier vor seinem Kalb zu erlegen. Für Bewegungsjagden auf Rotwild gilt: Einzeln kommende Alttiere werden vom Jagdleiter nicht freigegeben, es sei denn, ihr Kalb wurde zuvor erlegt. Denn beim Rotwild ist das Jungwild in solch einem Fall nicht oder nur äusserst schlecht überlebensfähig. Ausserdem sollten Leittiere möglichst geschont werden. Denn ebenso wie beim Schwarzwild können führungslos gewordene Rudel respektive Rotten erst recht Wildschäden verursachen. Was die Altersstruktur des Bestands betrifft, ist Rotwild ebenfalls anspruchsvoller als andere Wildarten. Im Gegensatz zum Einzelgänger Rehwild macht es beim Rotwild Sinn, männliches Wild alt werden zu lassen, beziehungsweise genügend alte Hirsche in der Population zu erhalten. Das bedeutet Schonung der mittelalten Hirsche. Denn ein reibungsloser Ablauf der Brunft, die richtigen Beschlagzeitpunkte und damit auch die Setzzeitpunkte der Kälber hängen massgeblich vom Vorhandensein älterer, erfahrener Platzhirsche ab. In einer spannenden spanischen Studie über Rotwild, die vor Kurzem durchgeführt wurde, stellte sich zudem heraus, dass sogar das Geschlechterverhältnis der Kälber von den Platzhirschen beeinflusst werden kann. Dominante Hirsche mit guter Spermaqualität zeugen mehr Hirsch- als Wildkälber (siehe auch «Schweizer Jäger» 5/2011).

Fluchtverhalten
Das Rotwild lebt in Rudeln und zieht (wenn der Mensch es lässt) weit umher. In übersichtlichem Gelände flüchtet es über weite Strecken. Denn unsere grösste heimische Wildart ist ursprünglich ein Bewohner von halboffenen Parklandschaften, also von grasbewachsenen grossen Flächen mit Einzelbäumen oder Baumgruppen, und von Galeriewäldern. Letzteres sind flussbegleitende, oft gestufte oder lockere Gehölzstreifen, die ursprünglich vor allem in der Savanne oder Steppe so bezeichnet wurden. Der Mensch hat das Rotwild bei uns hauptsächlich in die Wälder der Mittel- und Hochgebirge zurückgedrängt. Das ist ein suboptimales Habitat. Aber auch dort zeigt es sein ursprüngliches Fluchtverhalten. Anders als Rehwild versucht es nicht, sich im dichten Gebüsch oder in Dickungen zu drücken. Wird es aus seinen Einständen vertrieben, sucht es sozusagen das Weite. Es zieht oder trollt über grössere Strecken, vornehmlich auf seinen Hauptwechseln, auch durch lichte Bestände und über offene Flächen. Bei zu starker Bedrängnis bildet es grosse Rudel, was die Schussabgabe erschweren kann.

Gesellschaftsjagden auf Rotwild müssen entsprechend ausgerichtet werden. Die Schützen sollten grossräumig (unter Beachtung der Hauptwechsel und von Flächen mit gutem Schussfeld) sehr leise abgesetzt oder abgestellt werden. Am effektivsten sind Ansitzdrückjagden mit Besetzung relativ hoher Drückjagdhocker. Denn Rotwild wittert, äugt und vernimmt sehr gut. Zudem dient dies dem besseren Ansprechen und der Sicherheit bei der Schussabgabe. Da Rotwild sehr schnell lernt, wird am besten nur eine Drückjagd pro Saison auf derselben Revierfläche durchgeführt. Der Altmeister der Rotwildkunde, Egon Wagenknecht, schreibt in seinem Klassiker «Rotwild» über die Ansitzdrückjagd: «Diese Jagdart bringt im allgemeinen gute Strecken, ermöglicht einen guten Wahlabschuss und kann auch für die Wildbestandsermittlung genutzt werden.»

Die klassische Methode besteht im Einsatz von Treibern, die, weiträumig eingesetzt, das Rotwild hüstelnd und mit Stöcken klopfend in seinen Einständen beunruhigen. Der Jagderfolg kann aber wegen des grossflächigen Waldumbaus gering sein. Sind Dickungskomplexe im Revier vorhanden oder soll Schwarzwild gleichzeitig mitbejagt werden, ist der Einsatz geeigneter Hunde erforderlich. Wenn die bejagte Fläche gross genug und die Jagd gut organisiert ist, kommt das Rotwild dann mehreren Schützen, was die Chancen auf Strecke erhöht. Wie im «Schweizer Jäger» 1/2011 ausführlich erläutert, ist es übrigens ein Irrtum zu glauben, dass man die Eignung von Hunden für Bewegungsjagden auf Schalenwild an der Lauflänge, beziehungsweise Schulterhöhe festmachen kann. Wichtig ist, dass der Hund laut jagt, auch einzeln und selbstständig arbeitet, sorgfältig mit der Nase am Boden stöbert, Finderwillen, Spurwillen, Spursicherheit, an wehrhaftem Wild zudem Härte und Schneid besitzt, ohne «blödscharf» zu sein, und das Wild aus der Deckung herausbringt, ohne allzu weit zu jagen.

Der Not gehorchend werden Bewegungsjagden zum Teil auch noch im Januar durchgeführt. Denn bei unseren Wintern ist es in Waldgebieten mit grossen Dickungen mangels Frost und Schnee oft schwer, vorher ausreichend ans Wild heranzukommen. Rein wildbiologisch betrachtet ist das aber keine glückliche Lösung. Denn wie sich herausgestellt hat, gibt es einen winterschlafähnlichen Zustand mit verlangsamten Bewegungen auch bei bestimmten Schalenwildarten wie zum Beispiel Rotwild, Steinwild und vermutlich auch Rehwild. (Der «Schweizer Jäger» berichtete darüber in Heft 12/2009 und 1/2010). Stoffwechsel und Pulsrate werden gesenkt, die Läufe und äusseren Teile des Rumpfes kühlen stark ab, und das Wild bewegt sich langsamer. Das gilt vornehmlich für sehr kalte Nächte und frühe Morgenstunden im Januar, Februar oder März. In dieser kritischen Jahreszeit sollte unser Wild insgesamt möglichst ungestört bleiben, sonst kann es überlebenswichtige Energie verlieren (Arnold, 2002 und 2010; Turbill et al., 2010). Wir sollten bedenken, dass auch Ansitze auf Sauen in mondhellen Nächten dann nicht zu unterschätzende Störungen für das Rotwild und andere Schalenwildarten bedeuten.

Also verzichten wir spätestens ab Mitte Januar, besser bereits ab Anfang Januar auf Bewegungsjagden. Im Februar, März und April lassen wir unser Rotwildrevier – abgesehen von notwendigen Revierarbeiten – vollkommen in Ruhe. Am besten halten wir uns bis zum Aufgang der Jagd auf Schmalspiesser und Schmaltiere ganz aus dem Revier heraus.

Schwarzwild
Jetzt meine ich förmlich, den Aufschrei der wildschadensgeplagten Saujäger mit ihren Landwirten im Nacken zu vernehmen. Denn bei der rasanten Ausbreitung des Schwarzwilds wird es bald nur noch im Hochgebirge Lebensräume ohne Schwarzkittel geben. Im Schussbuch meines Vaters (siehe auch «Schweizer Jäger» 2/2010), in dem ein Grossteil der Einträge aus den 1950er- und 60er-Jahren stammt, finden sich am Ende in der Summe: 41 Hirschkälber, 37 Wildkälber, 75 Schmalspiesser und Hirsche, 123 Schmaltiere und Tiere, 13 Gams, 74 Stück Rehwild, elf Stück Auer- und Birkgeflügel, wie es damals so schön hiess, 243 Hasen, weiteres Niederwild und etliches Raubwild – jedoch nur ganze drei Stück Schwarzwild! Das ist nur ein kleines Beispiel, aber symptomatisch. Die Verhältnisse haben sich, was das Vorkommen von Rotwild und Schwarzwild betrifft, zumindest in Deutschland mittlerweile fast umgekehrt. Für einen engagierten Saujäger ist es heutzutage gut möglich, in einem vergleichbaren oder sogar viel kürzeren Zeitraum zwei- oder dreihundert Stück Schwarzwild zur Strecke zu bringen.

Wer Sauen als Standwild im Revier hat, trägt grosse Verantwortung bezüglich der Regulation der Schwarzwildbestände. Auch der reine Waldjäger. Aber wehe, wenn auch nur ein Streifen Ausschuss, eine Wiese oder gar ackerbauliche Flächen dazugehören! Dann wird die Saujagd schnell zur Bürde, sowohl finanziell als auch im Hinblick auf die jagdlichen Anstrengungen und den Zeitaufwand. Insofern sollte sich jeder, bevor er ein Revier pachtet, ganz genau überlegen, ob er das stemmen kann und ob es ihm das alles wert ist. Es gilt, auch die Jagdgenossen, sprich Landwirte, mit in die Verantwortung zu nehmen und tragbare Lösungen zu finden. Der europaweite Siegeszug der Schwarzkittel hat viele Ursachen, ist aber unter anderem ein hausgemachtes Problem – zum Beispiel durch zunehmenden Maisanbau für Biogasanlagen. Die schlechteste (leider nicht seltene) Variante, die auf dem Buckel der Sauen ausgetragen wird, ist eine nicht schwarzwildgerechte Bejagung.

Zwei der Hauptübel sind: Erstens werden die armen Schweine mittlerweile fast das ganze Jahr über bejagt und kommen nie zur Ruhe. Zweitens werden leider manchmal führende oder sogar säugende Bachen geschossen. Entweder, weil nicht richtig angesprochen werden kann, oder, weil dies mit den Wildschäden im Hinterkopf zum Teil billigend in Kauf genommen wird. Säugende Bachen können auch im Herbst und Winter vorkommen, was die wildgerechte Bejagung natürlich nicht gerade erleichtert. Deshalb gilt für die Bewegungsjagd auf Schwarzwild prinzipiell: Bei Rotten immer auf die Kleinen! Damit vermeidet man zudem, Leitbachen zu erlegen und führungslose, marodierende Rotten zu schaffen, die erst recht zu Schaden gehen. Wildbiologisch sinnvoll wäre es, auch beim Schwarzwild eine gute Altersstruktur zu erhalten und mittelalte Sauen zu schonen. Das ist in der Praxis schwer, weil wir dann weniger oder zu wenig Sauen erlegen können. Aber gerade dann, wenn alte Bachen/Leitbachen fehlen, frischen umso mehr Überläufer- und sogar Frischlingsbachen.

Gesellschaftsjagden im Herbst und Frühwinter sind unverzichtbar. Eine gute Möglichkeit ist nach wie vor das Kreisen der Sauen bei einer Neue und das Umstellen der entsprechenden Dickung mit Schützen. Diese Methode ist jedoch nur bei zeitigem Schneefall anwendbar. Erfolg versprechender sind grossräumige Bewegungsjagden mit Hunden. Über die Eigenschaften der Hunde haben wir bereits weiter oben gesprochen. Auf Sauen ist der Jagderfolg allerdings umso grösser, je besser die Rotten gesprengt werden. Ziel ist, dass nicht einem Schützen viele Sauen kommen, sondern vielen Schützen eine Sau. Das gelingt mit einer ausreichenden Anzahl einzeln jagender, guter Hunde, die an Rotten notfalls beischlagen, erfahrungsgemäss hervorragend. Und zwar häufig besser als mit regelrechten, miteinander eingejagten Meuten, die sich oft hartnäckig an ein bestimmtes Stück hängen, und deren Einsatz meines Erachtens ohnehin kritisch zu sehen ist.

Mit durchschnittlich etwa 400 bis 800 Hektar hat Schwarzwild sehr grosse Streifgebiete, und Sauen können bei Bewegungsjagden mit Hunden weite Strecken zurücklegen. Radiotelemetrische Untersuchungen haben aber gezeigt, dass sie dabei nur selten an den Rand ihrer Streifgebiete gelangen oder sie gar verlassen (Keuling & Stier, 2009). Revierübergreifende Jagden und das Abstellen von Wechseln sind effektiv. Spätestens ab Mitte Januar sollten allerdings, wie bereits beim Rotwild erläutert, allgemein keine Bewegungsjagden mehr durchgeführt werden. Ausserdem können ab Januar bereits Bachen gefrischt haben.

Ansitzdrückjagd auf Rot- und Schwarzwild
Haben wir in einem Rotwildgebiet auch Schwarzwild im Revier, müssen wir bezüglich der Bejagung so etwas Ähnliches finden wie die eierlegende Wollmilchsau. Dass es aber auch in Kombination geht, zeigte eine in jeder Hinsicht vorbildlich geplante, organisierte und durchgeführte Bewegungsjagd in einem Revier der Bayerischen Staatsforsten im Veldensteiner Forst am 19. November 2010. Ich nahm als Schütze teil, konnte ein Wildkalb erlegen und schaute mir den Ablauf der Jagd genau an. Unter den 52 Schützen mit Rotwilderfahrung waren Vertreter des bayerischen Landesjagdverbands, von Rotwild- und Schwarzwildhegeringen, zwei Wildbiologen, einige Tierärzte und so weiter. Es waren also durchaus kritische Teilnehmer, die diese Jagd mit Argusaugen beäugten – und nichts zu beanstanden hatten. Es wurde wildgerecht gejagt, gut angesprochen und gut geschossen.

Die bejagte Fläche betrug knapp 700 Hektar. Rund 15 Hunde waren im Einsatz. Es waren Jagdterrier, Foxterrier, Teckel, Deutsche Wachtelhunde, Deutsch-Langhaar und eine Bracke. Die Hunde wurden zum Teil von verteilt liegenden Ständen im äusseren Bereich aus geschnallt, zum Teil von einigen wenigen Durchgehschützen mitgenommen. Für Nachsuchen standen drei erfahrene Gespanne bereit.

Dieser Revierteil war in jenem Jagdjahr überhaupt noch nicht bejagt worden. Die Wechsel waren sehr gut abgesetzt, und viele der Schützen hatten Anblick. Das Rotwild kam den Schützen meist langsam und vertraut in kleineren bis mittleren Rudeln. Es wurde nur auf verhoffendes oder langsam ziehendes Rotwild geschossen. 19 Schützen hatten Weidmannsheil. Das Verhältnis von abgegebenen Schüssen zu Treffern betrug rund 1,3 – eine hervorragende Quote. Zur Strecke kamen drei Hirsche aus der Jugendklasse, drei Schmalspiesser, zwei Alttiere (deren Kalb jeweils zuvor erlegt worden war), drei Schmaltiere und zehn Kälber, weiterhin sechs Stück Schwarzwild (nur Frischlinge und Überläufer) sowie zwei Kitze und ihre Geiss.

Nach der Jagd wurde das Wild am Sammelplatz von zwei Metzgern hängend aufgebrochen und versorgt. Der Platz zum Streckelegen befand sich unmittelbar neben dem Aufbrechplatz. Die Aufnahme auf Seite 56 wurde noch während des Streckelegens gemacht; die Strecke war also noch nicht vollständig. Die an die Schützen verteilten Beobachtungskarten mit Zeitangaben konnten für die Bestandsermittlung herangezogen werden. Die Hunde hatten gut gearbeitet. Es hätten aber, wie Jagdleiter Frank Pirner bei der Nachbearbeitung der Jagd folgerte, für die grosse Fläche ruhig etwas mehr Hunde sein können. Zudem soll versucht werden, die Schützen noch leiser zu ihren Ständen zu bringen. Denn das Rotwild ist ausserordentlich lernfähig und war zum Teil bereits in Bewegung geraten, während die Schützen ihre Stände angingen.

Insgesamt war es ein Bespiel für eine rundum gelungene Gesellschaftsjagd, die Jagderfolg brachte und allen Freude bereitete. Mein Mann und ich nahmen am sehr netten Schüsseltreiben teil und traten dann die fast dreistündige Heimfahrt an. Dort wollten wir noch ganz kurz in unserer Stammkneipe «Dorfheim» bei unserem Jägerstammtisch vorbeischauen. Denn mein Mann, der Autofahrer, wollte wenigstens noch schnell ein Bier und ich mit unseren Jagdkameraden mein Kalb ein wenig tottrinken. Um das Auto zu bewachen, holten wir meinen Deutsch-Langhaar-Rüden Campino, der auf der Drückjagd wacker gejagt hatte, aus seiner Hundebox und setzten ihn vorne vor den Beifahrersitz. Er ist ausgesprochen freundlich zu Menschen und verträglich mit anderen Rüden, aber ins Auto lässt er keinen Fremden. Brav sass Campi am Boden, als wir in die Gaststätte gingen. Nun ja, mein Mann konnte zwar nur ein Bier trinken, aber bei mir wurden es vor lauter Freude dann doch zwei oder drei Goassmass (bayerisches Dunkelbiergetränk mit Cola und Kirschlikör), und wir blieben letztendlich zwei oder drei Stunden… Jagdfreund Fritz verliess gleichzeitig mit uns die gastliche Stätte und begleitete uns zum Auto. Dort erwartete uns ein Bild für Götter: Campino lag gemütlich ausgetreckt über Fahrer- und Beifahrersitz, hatte sich von hinten eine ganze Schachtel mit Hundeleckerli nach vorne geangelt – und, das Schärfste, es lief laute Parforcehornmusik! Ein richtig gemütlicher Abend nach einer schönen Jagd mit passender musikalischer Untermalung und Knabbereien. Beim Hochkrabbeln auf die Sitze muss der Hund versehentlich an den Einschaltknopf des CD-Players gestossen sein. Fritz Winter ist Zeuge dieser unbeschreiblichen Szene, und wir drei schütteten uns aus vor Lachen.