Gemeinsam statt einsam

May 29 15:38 2014 Binding Waldpreis

Im Entlebuch schlossen sich private Waldeigentümer zu einer engagierten Ge-nossenschaft zusammen. Ihre gemeinsame, zielgerichtete und nachahmens-werte Waldpflege würdigt die Sophie und Karl Binding Stiftung mit dem Binding Waldpreis. Mit 200'000 Franken ist dies der höchstdotierte Umweltpreis der Schweiz.

36 privaten Waldbesitzenden gehört der schwer zugängliche und sehr steile Wald oberhalb des Dorfes Flühli (LU). Die 135 Hektaren schützen das Dorf vor Naturge-fahren – aber nur, wenn der Wald sorgfältig gepflegt wird. Für die einzelnen Eigen-tümer ist das kaum möglich, zu gross wären personeller und finanzieller Aufwand, zudem fehlt oft das Wissen. Vor diesem Problem stehen viele private Waldeigentü-mer in der Schweiz. Knapp ein Drittel des Schweizer Waldes gehört einer Viertelmil-lion Besitzern. Deren Parzellen sind oft klein, wirtschaftlich bedeutungslos, der Wald überaltert und unternutzt – das Potential liegt brach. Zum Wohle der Talschaft gründeten die Waldeigentümerinnen und Waldeigentümer der Schwändeliflue deshalb 1996 eine Waldpflegegenossenschaft. Gemeinsam ist nun möglich, was alleine viel schwieriger wäre: eine langfristig orientierte, effiziente und nachhaltige Waldbewirtschaftung.

Grosses Engagement und offener Geist
Für die Genossenschaft gaben die Waldbesitzenden die individuellen Rechte über ihre Waldparzellen ab, nicht aber ihre emotionale Bindung. Aussicht auf monetären Gewinn besteht keine. So handelt nur, wer Vertrauen in die neue Struktur hat und Waldeigentum als Chance begreift. Mit einem gemeinsamen Ziel, hohem Engage-ment, eigenständigem und differenziertem Denken, langfristig ausgelegtem Handeln und in enger Partnerschaft mit dem kantonalen Forstdienst gelingt es der Genossenschaft, den Wald im Sinne der Nachhaltigkeit und zum Schutz des Dorfes zu bewirtschaften. Aktiv und umsichtig geleitet wird die Genossenschaft von Präsident Peter Studer und Vize Pius Schnider. Sie schaffen ein gemeinsames Verständnis für den Wald und das Ökosystem. Dies ist die Basis, um auch unterschiedliche Ansichten über die Bewirtschaftung auf den gleichen Nenner zu bringen. So finden die Beteiligten mit dem gleichen Ziel vor Augen, einer guten Portion Offenheit und der Verpflichtung gegenüber den Menschen im Dorf immer wieder zukunftsgerichtete Lösungen.

Die Waldpflegegenossenschaft
Der von der Genossenschaft engagierte Betriebsförster Oswald Aschwanden, der eng mit dem kantonalen Forstdienst zusammenarbeitet, leistet eine professionelle Arbeit. Die Jahresplanung wird den Genossenschaftern vorgelegt und diese ent-scheiden über die Umsetzung der geplanten Massnahmen. Wo es geht, verrichten die Genossenschafter anfallende Aufgaben gemeinsam im Stundenlohn. Dazu gehören Wegebau, Pflanzungen zur Förderung des Laubholzanteils oder der Bau von Dreibeinböcken gegen Schneerutsche. Den Rest der Arbeiten, wie die anspruchsvolle Holzernte zur Verjüngung der Bestände, erledigt ein Forstunternehmen. Die Genossenschaft besitzt keinen Werkhof und hält so die Infrastrukturkosten gering.

Potential Privatwald
Das Beispiel Schwändeliflue zeigt: Privatwald, der mit einer zweckmässigen Organi-sation kollektiv bewirtschaftet und gepflegt wird, hat ein grosses Potential – für die Besitzenden ebenso wie für die Gesellschaft. Die gemeinwohlorientierte und genossenschaftliche Zusammenarbeit in Flühli ist vorbildlich und in der heutigen Zeit nicht selbstverständlich. Das Erfolgsmodell kann anderen privaten Waldeigentümern als Beispiel dienen. Deshalb erhält die Waldpflegegenossenschaft Schwändeliflue den Binding Waldpreis 2014 zum Thema „Potential Privatwald“.


Binding Waldpreis
Der Binding Waldpreis (www.binding-waldpreis.ch) ist das traditionsreichste Engagement der in Basel beheimateten Sophie und Karl Binding Stiftung. Der Waldpreis ist mit 200'000 Fran-ken der höchst dotierte Umweltpreis der Schweiz. Seit 28 Jahren zeichnet die Stiftung damit Waldbesitzende aus, die beispielhafte Leistungen erbringen und ihren Wald vorbildlich und nach den Grundsätzen der Nachhaltigkeit pflegen und nutzen. Die Auswahl der Preisträger erfolgt auf Vorschlag des Kuratoriums, eines unabhängigen Rats von Forstfachleuten. Eine Direktbewerbung für den Preis ist nicht möglich: Kantonsforstämter, Forschungs- und Bil-dungsinstitutionen wie die ETH, Waldwirtschaftsverbände sowie Umweltorganisationen kön-nen mögliche Preisträger vorschlagen.

Jahresthema
Der diesjährige Preis wird zum Thema „Potential Privatwald“ vergeben. Gesucht waren Beispiele, wo Privatwaldeigentümer in zweckmässiger Organisationsform ihre Wälder im Sinne des modernen Nachhaltigkeits-Begriffes bewirtschaften. Wichtig dabei ist, dass es den Besitzenden gelingt, in nachahmenswerter Weise und im Dialog mit der Gesellschaft eine langfristig orientierte, wirtschaftlich erfolgreiche Waldbewirtschaftungsstrategie umzusetzen. Zudem sollen sie die schwierigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingun-gen als Chance sehen, innovative und eigenständige Geschäftsmodelle zu entwickeln und erfolgreich umzusetzen.