Doppelt unseriöse Argumentation des WWF

Sep 17 09:11 2014 Lignum

Der WWF moniert heute, die Leistungen der Schweiz mit Blick auf die Umsetzung der EU-Holzhandelsverordnung EUTR seien ungenügend. Aus Sicht der Holzbranche ist der Vorwurf doppelt unseriös. Zum einen ist die Schweiz gar nicht Teil der Staatengemeinschaft, welche die EUTR eingeführt hat. Zum andern ist es gerade den Umweltverbänden zu verdanken, dass dies so ist.

„Auf Betreiben der Umweltverbände hat die Schweiz vor wenigen Jahren eine Deklarationspflicht für Holz und Holzprodukte eingeführt – im Wissen darum, dass die EU kurz darauf eine eigene Regelung in Kraft setzen würde, eben die EU-Holzhandelsverordnung EUTR“, sagt Christoph Starck, Direktor von Lignum, Holzwirtschaft Schweiz in Zürich.

„Es war von Anfang an klar, dass sich die Schweiz mit ihrer eigenen, von grüner Seite durchgedrückten Regelung ins europäische Abseits manövrieren würde. Illegaler Holzschlag ist keine Bagatelle, da hat der WWF recht. Die Holzbranche hat aber mehrfach darauf hinge-wiesen, dass eine Deklaration von Holzart und Holzherkunft, wie sie die geltende Schweizer Deklarationspflicht seit 2012 fordert, inkompatibel ist mit dem Regime der EU-Holzhandels-verordnung EUTR, die illegal geschlagenem Holz den Marktzutritt verwehrt“, sagt Starck.

„Die Holzbranche selber hat vorgeschlagen, die EUTR für die Schweiz zu übernehmen, und hat nach der kurzsichtigen Einführung der Schweizer Holz-Deklarationspflicht unverzüglich das Gespräch mit dem Bund gesucht, um eine zur EUTR analoge Gesetzgebung im Rahmen der kommenden Vorlage zur Revision des Umweltschutzgesetzes ins Leben zu rufen,“ ergänzt Starck. „Dass eine EUTR-kompatible Gesetzgebung in der Schweiz diesen steinigen Umweg machen muss, geht auf die Umweltverbände zurück, nicht auf die Holzbranche.“

„Deshalb ist es billig, jetzt unserem Land vorzuwerfen, es dümple am Ende der Liste, was die EUTR-Umsetzung angehe“, sagt Starck. „Die Öffentlichkeit wird mit dieser Aussage, die Äpfel und Birnen durcheinanderwirft, hinters Licht geführt. Dies um so mehr, als nebulös mit den ‚Waldschutz-Leistungen‘ argumentiert wird. Die Schweizer Waldgesetzgebung und deren Umsetzung sind anerkanntermassen international führend. Der Schweizer Wald wird traditionell nachhaltig bewirtschaftet.“

„Kommt dazu, dass die Branche ihre Hausaufgaben mit der Umsetzung der Deklarationspflicht gemacht hat“, schliesst Starck. „Bei Kontrollen des Eidgenössischen Büros für Konsumenten¬fragen fand sich 2013 bei 96% der überprüften Produkte eine korrekte Deklaration der Holzart und bereits bei 71% der betroffenen Produkte eine richtig ausgewiesene Holzherkunft. Das ist so kurz nach der Einführung des Regimes eine beachtliche Leistung und hat deshalb erst kürzlich Lob seitens des Bundes erhalten."


Die Mitteilung des WWF:

Schweiz beim Waldschutz weit abgeschlagen
Seit 2013 ist die EU-Holzhandelsverordnung in Kraft, die den Verkauf von illegal geschlagenem Holz unterbinden soll. Der WWF wollte wissen, wie die Verordnung umgesetzt wird – auch von der Schweiz. Die Ergebnisse sind vernichtend: Nur gerade zwei Länder schneiden zufriedenstellend ab, die Schweiz dümpelt abgeschlagen am Ende.

Illegaler Holzeinschlag ist weltweit eine der grössten Bedrohungen für die Wälder. Insgesamt macht der Handel mit illegalem Holz einen Anteil bis zu 30 Prozent am globalen Holzhandel aus. Deshalb hat der WWF geprüft, wie weit die EU-Mitgliedstaaten und die Schweiz bei der Umsetzung der europäischen Holzhandelsverordnung (EUTR) sind (www.wwf.org.uk/barometer). Diese soll den Handel von Holz- und Papierprodukten aus illegalem Einschlag in der EU verhindern.

Das Ergebnis ist ernüchternd: Am besten schneiden Grossbritannien mit 14 und Dänemark mit 11 von möglichen 16 Punkten ab. Deutschland erreicht doch immerhin noch 9 Punkte. Die Schweiz bringt es gerade einmal auf 3 Punkte und gehört damit zum Schlusslicht der gesamthaft 29 Staaten.

Trotz Inkrafttreten der europäischen Holzhandelsverordnung vor mehr als einem Jahr, ist deren Umsetzung in den EU-Ländern also ungenügend. Die WWF-Studie kommt zum Schluss, dass erst 11 EU-Mitgliedstaaten nationale Gesetze geschaffen haben, die verlässlich genug sind, die Einfuhr von Holz und Holzerzeugnissen aus legalen Quellen zu kontrollieren. Weitere 17 EU-Länder und die Schweiz haben entweder noch keine nationalen Gesetze verabschiedet oder nur schwache, rechtliche Grundlagen geschaffen, die keine wirksamen Kontrollen oder abschreckende Strafen ermöglichen.

In der Schweiz ist die Einfuhr von Holz- und Papierprodukten aus illegalem Einschlag nicht verboten. Als Hauptgrund dafür nennen BAFU und SECO die fehlende Gesetzesgrundlage zur Schaffung einer der EUTR-analogen Verordnung. «Mit der Revision des Umweltschutzgesetzes könnte diese Lücke nun geschlossen werden,» sagt WWF-Fachfrau Simone Stammbach. Nebst verschiedenen freiwilligen Massnahmen umfasst der Gegenvorschlag des Bundesrates zur Initiative für eine grüne Wirtschaft die Möglichkeit, bei Angleichungsbedarf an internationale Vorschriften Mindestanforderungen an die Inverkehrbringung von Produkten einzuführen. Damit könnte eine EUTR-analoge Verordnung in der Schweiz rasch eingeführt und damit dem Handel mit illegalem Holz und Papierprodukten auch in der Schweiz einen Riegel geschoben werden.

Illegaler Holzeinschlag ist keine Bagatelle, er ist einer der Hauptgründe der Waldzerstörung weltweit - mit fatalen Folgen für die Artenvielfalt, für Menschen in diesen Waldgebieten, sowie für das Klima.

Ergebnis des Länder-Ratings
14 Punkte: Grossbritannien
11 Punkte: Dänemark
9 Punkte: Finnland, Deutschland, Litauen, Slowenien
8 Punkte: Belgien, Portugal
7 Punkte: Zypern, Estland, Niederlande, Schweden
6 Punkte: Frankreich
5 Punkte: Luxemburg, Rumänien
4 Punkte: Österreich, Kroatien, Tschechien, Lettland
3 Punkte: Bulgarien, Schweiz
2 Punkte: Griechenland, Irland
1 Punkt: Italien, Malta, Polen, Slowakei
0 Punkte: Ungarn, Spanien