Die Geburtshelferkröte

Jan 04 13:35 2013 Pro Natura

Die aussergewöhnliche Amphibienart ist in der Schweiz stark in Bedrängnis. In den vergangenen 25 Jahren ist beinahe die Hälfte der Vorkommen verschwunden. In unserer trocken gelegten und aufgeräumten Landschaft fehlt es ihr an Lebensraum. Mit der Wahl der Geburtshelferkröte zum Tier des Jahres 2013 richtet Pro Natura das Scheinwerferlicht auch auf die Not aller Amphibien. Denn 14 der 20 Amphibienarten in der Schweiz sind gefährdet.

Die Geburtshelferkröte (Alytes obstetricans) lebt in der Schweiz im hügeligen Mittelland, im Jura und in den Voralpen. Südlich der Alpen fehlt sie. Die Bestände haben in den letzten 25 Jahren dramatisch abgenommen: Fast die Hälfte der bekannten Vorkommen ist erloschen. Hauptgrund ist der Verlust und die Veränderung von Lebensräumen. Fliessgewässer wurden begradigt, Feuchtgebiete trockengelegt, Wiesen drainiert, Oberflächen versiegelt, Steinhaufen weggeräumt. Nicht nur die Geburtshelferkröte ist deshalb in Bedrängnis: 14 der 20 Amphibienarten der Schweiz sind gefährdet. Mit der Wahl der Geburtshelferkröte zum Tier des Jahres 2013 macht Pro Natura auf die Not der heimischen Amphibien aufmerksam und ruft dazu auf, bestehende Amphibiengewässer und Landlebensräume zu erhalten und neue zu schaffen.

Krötenvater als Hebamme
Die Geburtshelferkröte ist eine heimliche Gesellin. Bemerkbar macht sie sich meist nur durch ihren einzigartigen, glockenhellen Ruf, der im Chor an das ferne Bimmeln eines Schafglöckleins erinnert. «Glögglifrosch» nennt der Volksmund in der Deutschschweiz die Art deshalb treffend. So fein der Ruf, so zierlich das dazugehörende Krötchen: Es ist gerade einmal 3.5 bis 5 Zentimeter gross. Umso grösser wirken die goldig schimmernden Augen. Die Lebensweise der Geburtshelferkröte ist einmalig unter den einheimischen Amphibienarten. Als einziger einheimischer Froschlurch (siehe Box) paart es sich an Land und legt seine Eier nicht ins Wasser ab. Stattdessen wickelt sich das Männchen die besamten Eischnüre um die Fersengelenke und trägt sie drei bis sechs Wochen mit sich herum.

Lebensraumverlust bedrängt das Tier des Jahres 2013
Die Larven der Geburtshelferkröte behaupten sich in verschiedensten Gewässern, von Tümpeln über Teiche und Weiher bis zu langsam fliessenden Stellen in Bächen oder Flüssen. Unabdingbar für das Überleben des «Glögglifroschs» ist aber ein passender Landlebensraum in der Nähe des Gewässers. Ideal sind gut besonnte Böschungen mit lockerem Boden, wo sich die nachtaktiven Tiere tagsüber in selbst gegrabenen Höhlen, zwischen oder unter Steinen oder in Mauslöchern verbergen können. Auch fugenreiche Mauern, Sandhaufen, Holzstapel oder gar Gartenbeete taugen als Unterschlupf. Pro Natura setzt sich mit zahlreichen praktischen Projekten tatkräftig für die gefährdeten Amphibien in der Schweiz ein.


Die Geburtshelferkröte ist ein Froschlurch
Das Tier des Jahres 2013 ist in Westeuropa, von Portugal bis Mitteldeutschland, verbreitet. In der Schweiz kommt es nur auf der Alpennordseite und bis 1650 m ü. M. vor. Spinnen, Käfer, Fliegenlarven, Asseln, Nacktschnecken, Würmer und Tausendfüssler dienen ihm als Nahrung. Etwa von Oktober bis März halten Geburtshelferkröten ihre Winterruhe. Wie die anderen Frösche, Kröten und Unken, zählt die Geburtshelferkröte zu den so genannten Froschlurchen. Die Froschlurche bilden zusammen mit den Schwanzlurchen, zu denen Salamander und Molche gehören, die Wirbeltierklasse der Amphibien. Dazu gehören auch die tropischen Blindwühlen, die äusserlich an grosse Regenwürmer erinnern. Landläufig werden Froschlurche mit eher glatter, feuchter Haut als «Frösche» bezeichnet, während solche mit trockener, warziger Haut und plumperem Körperbau «Kröten» genannt werden. Eine wissenschaftliche Unterscheidung ist das aber nicht. In der Schweiz gilt die Geburtshelferkröte als stark gefährdet. In den letzten 25 Jahren ist beinahe die Hälfte ihrer Vorkommen erloschen. Pro Natura arbeitet mit Naturschutzprojekten und Aufklärungsarbeit daran, dass die Geburtshelferkröte in der Schweiz überleben kann.


Amphibien in der Schweiz fehlt das Wasser
Die Amphibien wie die Geburtshelferkröte gehören zu den am stärksten bedrohten Tiergruppen unseres Landes. Amphibien brauchen Gewässer als Lebensraum. Doch das viel gepriesene «Wasserschloss Schweiz» ist heute zu trocken. Flüsse wurden kanalisiert, Bäche eingedolt, Weiher und Tümpel trockengelegt, feuchte Wiesen drainiert. Insgesamt wurden neun von zehn Feuchtgebieten trockengelegt. Besonders rar sind jene Gewässer geworden, die ab und zu austrocknen. Dabei sind gerade diese für seltene Amphibienarten ein Paradies, weil in ihnen kaum Fressfeinde wie Fische oder Libellenlarven leben. Weitere Faktoren machen den Amphibien zusätzlich zu schaffen: In unserer intensiv genutzten Landschaft fehlt es den Tieren an Schlupfwinkeln, viele Laichgebiete sind isoliert, in fischfreie Gewässer werden Fische eingesetzt, Amphibien werden überfahren, durch Pestizide oder Mineraldünger geschädigt oder von einer neuen Pilzkrankheit befallen. Das Hauptproblem für die Not der Amphibien bleibt jedoch unsere entwässerte Landschaft.