Burgenbau und Herrschaft zur Zeit der Zähringer und Kyburger

Bild: HP. Käslin / Schloss Landshut
Jun 12 14:59 2017  

Schloss Landshut, wie es sich heute präsentiert, ist im 17. und 18. Jahrhundert errichtet worden. Doch seine Ursprünge reichen weit früher zurück. Die Juli-Abendführung im Schloss Landshut führt uns zurück in die ‚hehre Zeit der Ritter‘ und gibt Einblicke in ihr bewegtes Leben.

In die Zeit des 12. und 13. Jahrhunderts fällt die Hochblüte des Lehenswesens, der mittelalterlichen Grundherrschaft und des Burgenbaus. Noch heute beeindrucken starke Mauern, hoch aufragende Türme und monumentale Tore durch ihre trutzige, wehrhafte materielle Erscheinung. Wie waren die damaligen Verhältnisse in Staat und Gesellschaft, welche den Bau solcher eindrucksvoller Bauten erforderlich machte?

Lange glaubte man, Burgen seien in erster Linie militärische Funktionsbauten, also Festungen. Doch sie waren ausgesprochen multifunktionelle Anlagen, als Wohnsitze, Herrschaftsmittelpunkte, Orte der Gerichtsbarkeit und Zentren von Landwirtschaft wie Gewerbe. Als Wehrbauten besassen jedoch die wenigsten Anlagen strategische Bedeutung. Die meisten Burgen, die tatsächlich erobert wurden, wurden nicht lange belagert, sondern fielen im Handstreich, denn tagsüber waren die Tore geöffnet und die Burg kaum bewacht!

Die ersten Burgen, oft noch aus Holz, wurden um das Jahr 1000 errichtet. In Landshut zeugen der Wassergraben (1175) und der Rundturm (1253) von jener Zeit. Im Lauf des 12. Jahrhunderts kam es zu einer eigentlichen Bau-Welle, die bis ins 13. Jahrhundert andauerte. Ab dem 14. Jahrhundert setzten Fürsten und Stadtregierungen auf Kosten der alten Adelsherrschaften zunehmend ihre Landesgewalt durch. Adlige hatten sich unterzuordnen und wurden durch Verträge eingebunden, in denen die Pflicht, die eigene Burg für den Landesherr und seine Truppen zu öffnen, Standard war. So wurde die Symbolik der individuellen Wehrhaftigkeit mehr und mehr obsolet und Burgen gerieten „ausser Zweck und Mode“. In der Folge wurden viele Burgen verlassen oder zu komfortablen Schlössern umgewandelt.

An der Abendführung vom 27. Juli wird der Referent Armand Baeriswyl Einblick geben in neue Erkenntnisse aus der interdisziplinären Burgenforschung, welche zeigen, dass Burgen neben dem Ausdruck der Wehrhaftigkeit auch wirtschaftlichen, sozialen, religiösen und politischen - nicht zuletzt repräsentativen - Bedürfnissen ihrer Bauherren und Besitzer, dem mittelalterlichen Adel, dienten.

Anhand zahlreicher Bilder und ausgewählter Beispiele wird der Referent diese spannende Epoche mit ihren so typischen Bauten vorstellen und Antworten liefern auf Fragen, wie: Welcher Art funktionierten solche Herrschaften, wie solche Burgen? Was waren die Gründe für die Errichtung derart wehrhafter und aufwändiger Bauten, welche Motivation der damaligen Elite steckte dahinter?

Der Referent Armand Baeriswyl studierte an der Universität Zürich mittelalterliche Archäologie, Geschichte sowie Kunst- und Architekturgeschichte des Mittelalters. Nach wissenschaftlichen Tätigkeiten im Amt für Archäologie des Kantons Thurgau und am Institut für Denkmalpflege der ETH Zürich arbeitet er seit 1994 beim Archäologischen Dienst des Kantons Bern und ist heute Leiter des Ressorts Mittelalterarchäologie. Auf seine Promotion an der Universität Zürich folgte die Gastprofessur für Archäologie und Bauforschung an der Universität Wien und 2011 die Habilitation für das Fach „Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit“. Anschliessend Lehrtätigkeit am Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Wien und 2013 Umhabilitation an der Universität Bern. Armand Baeriswyl ist Präsident der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für Archäologie des Mittelalters und unter anderem aktiv im Vorstand des Schweizerischen Burgenvereins sowie des Historischen Vereins des Kantons Bern. Er lebt mit seiner Familie in der Stadt Bern.


Burgenbau und Herrschaft zur Zeit der Zähringer und Kyburger Vortrag mit PD Dr. Armand Baeriswyl, Archäologischer Dienst Kanton Bern, Leiter des Ressorts Mittelalterarchäologie
Donnerstag, 27. Juli 2017 – 19.30 bis ca. 21.00 Uhr – Schloss Landshut
Eintritt Fr. 7.- / 6.- / 1.-, Dauer ca. 1,5 Stunden
Nach dem Vortrag besteht die Möglichkeit, mit dem Referenten zu diskutieren.
Die Abendführung beginnt um 19.30 Uhr. Das Schlosscafé öffnet eine halbe Stunde vor Beginn der Abendführung.