Bracken

Jan 21 03:10 2012  

Bracken und Revierjagd, geht das überhaupt? Der Rassenbeschreibung von Brandel-, Steirische Rauhaar- und Tiroler Bracke ist zu entnehmen (Zitat Quelle www.bracken.ch): «Das signifikante Merkmal ist das lang anhaltende, ausdauernde 'Laute Jagen' auf Spur und Fährte sowie das hervorragende Orientierungsvermögen. Spurlaut und Spurwille, Schärfe, sowie ausgeprägte Ambition zur Schweissarbeit.»

Im Weiteren steht auch: Leichtführigkeit und damit die Bereitschaft, sich vielseitig zu zeigen, machen die Österreichischen Bracken zu verlässlichen Praktikern und angenehmen, ruhigen Revierbegleitern.
Das ist je nach Situation ein Widerspruch zwischen lang anhaltendem lauten Jagen und ruhigem Revierbegleiter. Daher gilt es, das vorhandene Potenzial sorgfältig zu fördern und auch zu kanalisieren. Von Anfang weg muss klar sein, was wie stark gefördert werden soll. Nicht zuletzt eine sorgfältige liebevolle und konsequente Erziehung hilft das Ziel zu erreichen. Wie überall im Leben sind auch in der Jagdhundehaltung Kompromisse zu akzeptieren.
Auf jeden Fall würde es der Rasse nicht helfen, wenn nur passionierte Hasenjäger als Abnehmer der Hunde in Frage kämen. In der heutigen jagdlichen Situation wäre der Bedarf an Hunden sehr schnell gedeckt und eine genetische Verarmung der Zucht wäre die Folge.
Deshalb gilt, eine Anpassung an die bestehenden Jagd-Möglichkeiten erhöht das Überleben der Rassen, weil es einfach eine genügend grosse Anzahl Hunde (Genpool) für eine nachhaltige Zucht braucht.
Klar ist die gute Nase der Hasenhunde eine super Voraussetzung, um auch auf anderen Spuren und Fährten erfolgreich zu weidwerken. Das kommt auch der Nachsucheneigenschaft zu gute und es gilt, diese Eigenschaft zu erhalten, auch wenn nicht mit allen Hunden das anspruchsvolle Brackieren auf Hase und Fuchs ausgeübt werden kann. Um die Anlagenprüfung zu bestehen, müssen die Österreichischen Bracken auch in der Schweiz ihr Können an Hase oder Fuchs zeigen und das ist erst der erste Schritt zur Zulassung der Zuchttauglichkeit.

Bracken in der Revierpraxis
Es mag vielleicht erstaunen, warum in der Nordwestschweiz die Österreichischen Bracken in der Verbreitung zunehmen. Die Jura-Reviere bieten auch anspruchsvolle Einsatzmöglichkeiten für diese Jagdhunde. Gerade wegen der waldbaulichen Veränderungen braucht es Hunde, die als Solisten die dichten Einstände nach Wild absuchen.
Jeder Jagdhund wie auch die verschiedenen Rassen haben eine unterschiedliche Suchenstrategie, daher ist es meiner Meinung nach für einen optimalen Erfolg wichtig, dass möglichst viele verschiedene Jagdhunderassen auf der lauten Jagd zum Einsatz kommen.
Eine weitere gute Einsatzmöglichkeit bietet sich gerade in Revieren mit hohen Wildsauvorkommen an.
Die Österreichischen Bracken haben ihre guten Eigenschaften auf der Nachsuche schon oft unter Beweis gestellt. Gerade in topographisch unübersichtlichem Gebiet, ist das auch gut getroffene Wild schnell mal von der Bühne verschwunden. Immer wieder schön, wenn der Jagderfolg und die Freude mit dem vierbeinigen Jagdbegleiter geteilt werden kann.
Vergessen darf man auch nicht, dass selten jemand das ganze Jahr die Jagd betreiben kann und schon gar nicht das Brackieren. Umso erfreulicher, wenn der harte Jagdhund sich zu Hause wie ein Lämmchen aufführt und man die Enkelkinder nicht vor dem Hund wegschliessen muss. Aber geschenkt wird nichts, es ist die Kunst des gerechten Abführens, um einen firmen Jagdbegleiter zu erhalten.
Innerhalb des Schweizerklubs für österreichische Bracken hat die erst vor etwas mehr als einem Jahr gegründete Nordwestschweizergruppe die Aufgabe, mit Aktivitäten und mittels Austausch von Tipps eine erfolgreiche Brackenhaltung zu ermöglichen. Die sehr erfreulichen Prüfungserfolge der Bracken mit ihren Meistern aus der Region Nordwestschweiz zeigen, dass die Marschrichtung stimmt.
Anfangs Jahr war ein Treffen in Balstal und im September ein Treffen in Liestal, jeweils abends zum gemütlichen Erfahrungsaustausch und integriert mit kleinen Übungen.
Im April führten wir ein ganztägiges Seminar im Revier Bärschwil-Grindel durch. Es war speziell für Junghundeführer ausgerichtet. Unterstützt wurde ich von bewährten Kräften des Klubvorstandes, von erfahrenen Mitgliedern und bewährten Hundeausbildnern. Auf verschiedenen Posten konnten die Teilnehmer bei schönstem Wetter mit ihren Hunden aktiv teilnehmen. Spannende Vorführungen lockerten das Programm auf. Vieles wurde gezeigt und erlebt.
Nachdem die Posten Gehorsam im Gelände, Schleppe, Bringen, Tot-Verweisen, Verweisen von Anschuss und Schweissfährte abgehandelt waren, machte sich bei Hunden und Menschen das Bedürfnis nach dem Aser bemerkbar. Dafür haben ganz fleissige Helferlein beim Jagdhaus in Bärschwil einen feinen Aser bereitgestellt.
Als Organisator dieses Anlasses hat mich das grosse Besucherinteresse enorm gefreut. Es kamen insgesamt über 40 Teilnehmer nach Bärschwil. Die Autokolonne war unübersehbar. Ohne die Mithilfe meiner Pächter-, Klub- und Vorstands-Kollegen wäre es nicht möglich, einen solchen Anlass zu organisieren. Dabei möchte ich mich für die grosszügige Unterstützung, ob im Feld oder in der Küche, bei allen Helfern ganz herzlich bedanken.
Für die angelaufene Herbstjagd wünsche ich guten Anblick und Brackenheil.