Neue Wechselausstellung im Naturmuseum Winterthur: Baumeister Biber

Dec 05 08:54 2017  Naturmuseum Winterthur

Die Beziehung zwischen Mensch und Biber war nicht immer so friedvoll wie in der heutigen Zeit. Sein wertvoller Pelz war gesucht und das Fleisch, das in der Fastenzeit gegessen werden durfte, sehr begehrt. Auch das Bibergeil, ein Drüsensekret, diente Anfang 19. Jahrhundert noch als Wundermedizin gegen Krankheiten. Die damalige Ansicht, er sei ein Fisch- und Krebsfresser, trug ausserdem nicht sonderlich dem positiven Image des vegetarisch lebenden Bibers bei.

Ortsnamen wie Bibern oder Biberist erinnern daran, dass der grösste Nager Europas früher auch bei uns heimisch war. Heute ist er zurück – und dies in einer kontinuierlich steigenden Population. 1958 erfolgte die erste Aussetzung in der Schweiz, weitere kamen dazu. Doch das enge Nebeneinander von Mensch und Biber kann auch gegenwärtig zu Problemen führen: beispielsweise durch das Fällen von Bäumen in Obstgärten und Forstbeständen, dem Unterhöhlen von Strassen oder dem Zuführen von Schäden in landwirtschaftlichen Kulturen. Biberdämme können darüber hinaus Zu- und Abflüsse verstopfen oder ganze Kulturlandschaften unter Wasser setzen.

Im Konfliktfall werden rasch Lösungen gefunden
Als akzeptierter und zu schützender (Wieder-)Bewohner der Schweiz werden heute im Konfliktfall rasch Lösungen gefunden. Quasi als Schlichtungsstelle zwischen Mensch und Biber fungiert im Kanton Zürich Biberfachstelle geleitet von der Greifensee-Stiftung. Sie wurde mit
dem Führen der Fachstelle beauftrag und ist in sämtlichen Biberfragen innerhalb das Kantons Zürich die erste Anlaufstelle. Zu den individuellen Massnahmen gehören beispielsweise künstliche Tiefhaltung der vom Biber verursachten Stauflächen mittels Abflussrohren – oder etwa Bibersperren, um den Bau von Biberdämmen ganz zu verhindern.

Sympathischer Meister Bockert
Der Biber geniesst heute bei vielen Menschen grosse Sympathie. Seine Lebensweise fasziniert, seine Leistungen als Holzfäller, Damm- und Burgenbauer lösen Staunen aus. Von jahrhundertelanger Bejagung, die zur Ausrottung führte, über die erfolgreiche Wiederansiedlung bis zum Sympathieträger für heutige Naturschutzanliegen: Die Geschichte des Bibers spiegelt eindrücklich das sich immer wieder verändernde Naturverständnis des Menschen wider.

An Land wirkt Meister Bockert – wie der Biber im Volksmund genannt wird – mit seinem rundlichen, kräftigen Körper meist plump und schwerfällig. Doch ist er im Wasser angekommen, zeigt sich, dass sein gedrungener, stromlinienförmiger Körperbau ideal zum Schwimmen und
Tauchen geeignet ist. Ein Biber bringt es auf bis zu 80 Kilogramm Kaukraft pro Quadratzentimeter. Zum Vergleich: Der Mensch bringt es bestenfalls auf die Hälfte dessen.

Viel Sympathie gewinnt der Biber auch durch sein drolliges Verhalten und seinem Lautrepertoir, das auf den Menschen eher unterhaltend als bedrohlich wirkt. Dazu gehören Knirschen mit den Zähnen, Fauchen, Wimmern, Schreien und – ein bedingungsloses Alleinstellungsmerkmal – bei
Gefahr das Klatschen mit dem Schwanz auf das Wasser.

Multifunktionale Kelle
Der Schwanz, die sogenannte Kelle, dient dem Biber als Mehrzweckwerkzeug. Die Kelle ist das Steuerruder beim Tauchen, das Fettdepot im Winter, die Stütze beim Holzfällen, die Sitzunterlage beim Putzen und das Kühlaggregat im Sommer. Seine kräftigen Hinterfüsse sind so gross wie eine Menschenhand. Jedoch sind seine Zehen lang und dazwischen sitzen Schwimmhäute, sie machen die Füsse zu einem effizienten Antriebsorgan im Wasser.

Die Wanderausstellung im Naturmuseum bezieht auch regionale Aspekte der Biber mit ein.

Weitere Infos finden Sie auf der folgenden Homepage: Naturmuseum Winterthur