Neuer Besucherrekord im Naturhistorischen Museum

Wasserschwein
Jan 13 15:21 2017  

Das Naturhistorische Museum der Burgergemeinde Bern blickt auf ein hervorragendes Jahr zurück: Mit 130’945 Eintritten verzeichnet das Haus einen neuen Besucherrekord. Dank den kleinen, aber feinen Ausstellungen und einer Vielzahl von Veranstaltungen. Im nächsten Jahr ist eine grosse, neue Ausstellung mit dem Titel «Weltuntergang» geplant, die unter der Leitung von Martin Heller entsteht, Kurator und ehemaliger Künstlerischer Direktor der Expo.02. Damit vergrössert das Museum auch seine Ausstellungsfläche markant.

In der über 180-jährigen Geschichte des Naturhistorischen Museums der Burgergemeinde Bern hat das Haus noch nie so viele Eintritte zählen können. Mit 130’945 Besucherinnen und Besuchern verzeichnet das Museum einen neuen Besucherrekord. Im letzten Jahr lag die Zahl bei 107’845, was einer Steigerung um fast einen Fünftel entspricht. Der bisherige Besucherrekord stammt aus dem Jahr 2012 mit 127’946 Eintritten. Umso erstaunlicher ist das Ergebnis, da im letzten Jahr mit «Twannberg-Meteorit» nur eine kleine Ausstellung eröffnet wurde. Ein Publikumsmagnet stellten auch die vielfältigen Veranstaltungen im Haus dar. 2016 war aber auch aus meteorologischer Sicht ein tolles Museumsjahr – gerade im Vergleich zum Vorjahr.

Twannberg-Meteorit, Tierschmuggel, Elefantenjahr
Der Star im letzten Jahr war ein Ausserirdischer: Im August 2016 konnte das Museum den Fund von über 600 Fragmenten des Twannberg-Meteoriten bekannt geben – eine Meldung, die in der nationalen Medienlandschaft wie eben ein solcher Himmelskörper einschlug. Wissenschaftler des Naturhistorischen Museums und der Universität Bern haben mit einer Gruppe von rund 50 Meteoritensammlern das erste Meteoriten-Streufeld der Schweiz entdeckt. Tags darauf wurde die kleine Schau «Twannberg-Meteorit – Jäger des verlorenen Schatzes» eröffnet. Die Ausstellung wird voraussichtlich noch bis zum 20. August 2017 zu sehen sein. Der Eisenmeteorit wird die Forschung noch Jahre beschäftigen.

Die Sonderausstellung «Tierschmuggel – tot oder lebendig» wurde im November 2015 eröffnet und im letzten Jahr auf Ende Mai 2017 verlängert – aufgrund der positiven Reaktionen. Die Ausstellung zeigt Objekte, die am Schweizer Zoll konfisziert wurden. Sie erzählt unglaubliche Schmuggler-Geschichten und deckt überraschende Hintergründe auf.

Im Frühling eröffnete das Museum ein Diorama mit einheimischen Reptilien und Amphibien, finanziert vom Museumsverein. Dioramen heissen die Schaukästen, in denen die Tiere in ihren natürlichen Lebensräumen gezeigt werden. Unsere historischen Dioramen gelten in der europäischen Fachwelt als Perlen. Vor fast 40 Jahren hat das NMBE zum letzten Mal ein klassisches Diorama eröffnet. In der Tat sind diese etwas aus der Mode geraten, dennoch setzten wir weiterhin auf die klassische Präsentationsform – auch als wohltuender Kontrapunkt im digitalen Zeitalter.

Das letzte Jahr stand zudem im Zeichen der sanften Riesen. Im «Elefantenjahr» zeigten wir eine Reihe von Sehenswürdigkeiten im Haus und richteten Veranstaltungen zu den dünnhäutigen Dickhäutern aus. So begingen wir unter anderem das 150-Jahre-Jubiläum des Elefanten von Murten, zeigten ein Werk von Bernhard Luginbühl und stellten seinem Sohn Jwan ein ausrangiertes Elefantenpräparat zur Verfügung, der damit eine Skulptur schuf. Zu guter Letzt erhielt der goldene Elefant auf unserem Dach – das Maskottchen des Elefantenjahres – end-lich einen Namen: Caruso.

Das Naturhistorische Museum setzt in seiner Strategie auf unkonventionelle Anlässe, die auf erfrischende Art und Weise Naturthemen vermitteln und ein heterogenes Publikum ins Haus locken – dies unter dem Veranstaltungslabel «Hilfe, es lebt!». Auch im letzten Jahr fanden eine Reihe besonderer Anlässe statt. So traten Frölein Da Capo, Timmermahn oder Uwe Schön-beck & I Salonisti auf. Die Bar der toten Tiere fand in der Wintersaison neu in der Altjahreswoche statt und war wiederum ein Publikumserfolg.

Daneben hat das Naturhistorische Museum ein neues Label für die Vermittlungsangebote für Familien und Kinder geschaffen: «Pica». Pica, die freche Elster, zeigt den kleinen und grossen Besuchern, wo sie Angebote finden, die auf ihre Wünsche und Bedürfnisse, zugeschnitten sind. Zum einen bauen wir die Angebote, die Familien auf eigene Faust im Museum erkunden können, sukzessive aus – etwa mit den Themenkoffern. Zum anderen bieten wir auch hier pa-ckende Veranstaltungen. So haben wir im letzten Jahr neue interaktive Familienführungen durchgeführt, die sich grossem Zuspruch erfreuten.

Ausblick 2017: Weltuntergang, Amazonas in Bern, Birdwatcher
2017 wird für das Naturhistorische Museum ein wichtiges Jahr. In seiner Strategie will das Haus mehr auf Sonderausstellungen setzen, bislang fehlten dafür entsprechende Räume. Nun können wir unsere Ausstellungsfläche um 1200 Quadratmeter erweitern, da künftig der gesamte, 1998 eröffnete Neubau dem Museum zur Verfügung steht. Die obere Hälfte des Neubaus war bislang fremdvermietet. Das Institut für Ur- und Frühgeschichte, das im 3. Stockwerk einquartiert war, ist bereits umgezogen. Der 2. Stock, wo sich derzeit noch ein Depot des Bernischen Historischen Museums befindet, kann ab 2018 neu bespielt werden. Im November 2017 wird auf der dritten Etage die erste grosse Temporärausstellung «Weltuntergang» eröffnet, die fünf Jahre laufen soll.

Weltuntergang stellt kein klassisches Ausstellungsthema für ein Naturhistorisches Museum dar. Es handelt sich um kein Naturphänomen, viel eher um eine menschliche Erfindung. Die Geschichte vom Ende der Welt ist uralt und brandaktuell zugleich. Immer wieder wird sie neu erzählt. Immer wieder entfaltet sie ihre Wirkung als Drohkulisse, Projektionsfläche oder Kreativmotor. Gleichzeitig ist die Bedrohung für die Natur und den Menschen real und allgegen-wärtig: Dem Planeten Erde und den Lebenswelten seiner Bewohner drohte und droht ständig Gefahr. Gewaltige Naturkatastrophen und menschengemachte Desaster wie Kriege oder Umweltzerstörungen haben seit Menschengedenken Zerstörungen angerichtet, aber immer auch die Kraft des Lebens zu Tage gefördert und den Innovationsgeist der Menschen geweckt. «Weltuntergang» wird eine Ausstellung, die vom Umgang mit Angst handelt und vom Mut, der dazu nötig ist. Die Schau lässt eine natur- und kulturwissenschaftliche Perspektive aufeinander treffen und steht damit auch für die neue Ausrichtung unseres Hauses, die bereits vor einigen Jahren eingeläutet wurde. Entwickelt und umgesetzt wird sie in Zusammenarbeit mit dem international tätigen Ausstellungsmachern von Heller Enterprises aus Zürich, dem Unternehmen von Martin Heller, ehemaliger Künstlerischer Direktor der Expo.02.

Neben der Eröffnung von Weltuntergang wird 2017 aber auch von zwei Themenmonaten geprägt sein. Im Februar/März widmen wir uns der Naturvielfalt des Amazonas und dem vergessenen Pionier Emil August Göldi. Göldi ist vor hundert Jahren in Bern verstorben. Der Zoologe hinterliess uns eine wichtige und eindrückliche Sammlung mit 14 000 Objekten. In der Göldi-Kammer geben wir Einblick ins Leben und Wirken des Schweizer Naturforschers. Zudem organisieren wir im Rahmen des Themenmonates «Amazonas in Bern», der in Zusammenarbeit mit dem Botanischen Garten durchgeführt wird, eine Reihe von Veranstaltungen (siehe Flyer).

Im Themenmonat Birdwatchers im September widmen wir uns besonderen Vögeln – den Hobby-Ornithologen. Frauen und Männer, die ihre Freizeit mit dem Beobachten von Vögeln verbringen – und dabei wichtige Dienste für die Wissenschaft leisten.