Bergfrühling im Alpengarten

Die Frühblüher sind auf Schnee und Kälte eingestellt
Jun 16 08:38 2014 Alpengarten Schynige Platte

Im botanischen Alpengarten Schynige Platte blühen die ersten seiner insgesamt 600 Pflanzenarten. Die Frühblüher sind auf Schnee und Kälte eingestellt.

Während es im Tal schon Sommer ist, schmilzt auf der Schynige Platte der letzte Schnee. Und noch bevor das erste frische Gras spriesst, sind schon alle Hänge übersäht mit den bunten Blüten von Frühlingsenzianen, Krokussen, Schlüsselblümchen und Soldanellen. Manche Blüten brechen sogar durch die Schneedecke. Denn viele Alpenpflanzen sind immergrün und beginnen mit dem Stoffwechsel, sobald sie genug Licht und Wärme bekommen; und weil Stoffwechselprozesse Energie freisetzen, schmelzen die Pflänzchen Löcher in den Schnee.

Soldanellen schlafen nicht
Einen besonders schnellen Start legen die Soldanellen hin. Die kleinen Pflanzen mit den zierlichen lila Blütenglöcklein wachsen in Mulden, an flachen Stellen oder schattigen Hängen, die den ganzen Winter über schneebedeckt sind. Unter der Schneedecke, die sie vor harten Frösten schützt, können sie den Stoffwechsel ihrer Blätter so gut aufrechterhalten, dass sie im Frühling bereit sind zu blühen, bevor der Schnee ganz weggeschmolzen ist.
In den langen Sonnentagen im Juni stossen allerdings auch schon die Alpenanemonen nach, die den kleinen Blümchen bald über den Kopf wachsen. Mit ihren prächtigen Blüten gehören die Anemonen zu den auffälligsten Blumen des Bergfrühlings, und mit ihren wuscheligen Samenständen bleiben sie als «Haarmannli» bis weit in den Herbst ein Blickfang.
Im tiefsten, schattigsten «Schneetälchen» des Alpengartens aber hat das Gartenteam den Schnee mit einem weissen Vlies vor der Sonne geschützt, so dass er länger liegenbleibt. So können Besucher sicher auch noch während der «Botanica», der Woche der Botanischen Gärten Mitte Juni, den Bergfrühling von seinem Beginn weg beobachten.

Von langer Hand geplant
Ganz andere Strategien als die Soldanelle haben die Frühblüher an exponierten, auch im Winter oft schneefreien Felsen entwickelt. So legt etwa der Gegenblättrige Steinbrech, der noch auf den höchsten Alpengipfeln vorkommt und auch in der Arktis am weitesten nach Norden gewandert ist, einen «Winterschlaf» ein. In dieser inaktiven Phase hält die Polsterpflanze extrem tiefe Temperaturen aus. Sobald sie im Frühling «erwacht» und weiterwächst, öffnen sich auch schon ihre auffälligen violetten Blüten, unter denen das winzige Pflanzenpölsterchen fast verschwindet. Diese üppige Blüte, die das Pflänzchen scheinbar aus dem Nichts hervorzaubert, ist nur möglich, weil die Blütenknospen schon im Sommer des Vorjahrs angelegt wurden.