«Baumeister Biber»

Baumeister Biber
May 16 10:41 2017  Naturmuseum Solothurn

Der Biber geniesst heute bei vielen Menschen grosse Sympathie. Seine Lebensweise fasziniert, seine Leistungen als Holzfäller, Damm- und Burgenbauer lösen Staunen aus. Von jahrhundertelanger Bejagung, die zur Ausrottung führte, über die erfolgreiche Wiederansiedlung bis zum Sympathieträger für heutige Naturschutzanliegen: Die Geschichte des Bibers spiegelt eindrücklich das sich immer wieder verändernde Naturverständnis des Menschen wider.

Mehr als zehn Jahre nach der Eröffnung und nach etlichen Stationen im In- und Ausland zeigen wir die Wanderausstellung «Baumeister Biber» wieder – aufgefrischt und inhaltlich auf den neusten Stand gebracht. Die Ausstellung stammt von den beiden Naturmuseen Olten und Thurgau und präsentiert zahlreiche Objekte und diverse Stationen, an denen gefühlt, gerochen oder einfach gespielt werden kann.

Biber: Lieferant für Fleisch und Fell
Leckeres Fleisch, dichtes Fell und duftendes Parfum: Das alles gab der Biber her. Der Biber wurde früher aufgrund seines beliebten Fleisches – dieses durfte auch während der Fastenzeit verspiesen werden – und seines dichten Fells bejagt. Auch sein Drüsensekret, Castoreum, war als Wundermedizin gefragt. Als vermeintlicher Fisch- und Krebsfresser ging es dem reinen Vegetarier ebenfalls an den Kragen. Er wurde solange bejagt, bis er schlussendlich um 1800 in der Schweiz ausgerottet war. Ortsnamen wie Bibern oder Biberist erinnern noch an die Zeiten, als er noch häufig anzutreffen war.

Steckbrief Biber
Biber zählen zu den Nagetieren. Ihre grossen, scharfen Schneidezähne und ihre breiten, kräftigen Backenzähne sind bezeichnend für die Vertreter dieser Tiergruppe. Mit einer Körperlänge von über 1 m und maximal 30 kg Gewicht ist der Biber das zweitgrösste Nagetier weltweit. Nur das südamerikanische Wasserschwein, das Capybara, wird noch grösser. In Europa ist der Biber der Grösste.
Einzigartig für den Biber ist sein breiter, geschuppter Schwanz. Dies unterscheidet ihn auch von Nutria und Bisamratte – beides auch Nagetiere, die sich im Wasser aufhalten und einst aus Amerika eingeführt und nie mehr ausgeführt wurden.

Erfolgreiche Rückkehr
Zwischen 1958 und 1977 wurden in der Schweiz rund 140 Biber ausgesetzt, meist von engagierten Privatpersonen. Die Biber stammten aus Frankreich, Norwegen und Russland. Nachteilig hat sich ausgewirkt, dass die Freilassungen unkoordiniert und ohne wissenschaftliches Konzept vonstatten gingen. Dies zeigte sich lange Zeit in den isolierten Vorkommen, zwischen denen ein für die genetische Auffrischung der Bestände wichtiger Austausch von Tieren kaum möglich war. Heute leben in der Schweiz wieder schätzungsweise 2800 Biber (Stand 2016), allein im Kanton Solothurn sind es zwischen 200 und 300 Biber; eine beachtliche Entwicklung, wenn man bedenkt, dass vor 25 Jahren der Kanton noch biberlos war. Im Vergleich zu anderen Kantonen sind „unsere“ Biber jedoch natürlich eingewandert – und haben sich die Gewässer zurück erobert.

Der Biber: Mehr als Fleisch und Fell
Der Biber ist zu einem Sympathie-Träger geworden und steht symbolisch für naturnahe, dynamische Gewässerlebensräume. Mit seiner etwas plumpen Art an Land, aber einer umso wendigeren Art im Wasser, seinem Familiensinn – ein Paar bleibt ein Leben lang zusammen und zieht die Jungen gemeinsam auf – seinen geschickten Pfoten, die an Hände erinnern, gehört er zu den Tieren mit Jöh-Effekt. Aber noch viel augenfälliger und imposanter ist sein (Kunst)werk: Er scheut sich nicht, Apfelbäume und Eichen zu fällen. Da knabbert er in einer Nacht Baumstämme mit bis zu 40 cm Durchmesser durch! Deutlich sichtbar sind seine Nagespuren im Winter. Das frisch angeknabberte Holz leuchtet richtiggehend hell und sein Werkplatz mit den Spänen ist unübersehbar. Von der Rinde ernährt er sich in der kalten Jahreszeit. Die Äste benötigt er zum Ausbauen seines Biberbaus oder für seine Stautätigkeit. Und da sich Äste besser im Wasser transportieren lassen und er seinen Eingang in den Bau gerne unter Wasser hält, staut er den Bach und baut dazu einen Damm.

Sympathieträger versus Schädling
Nicht alle finden den Biber gleich faszinierend: Ein eingestürzter Uferweg, abgenagte Maispflanzen, ein vernässtes Feld oder ein gefällter Apfelbaum kann schon einmal zu erhitzten Gemütern führen. Glücklicherweise lassen sich in den meisten Fällen im Gespräch mit den Betroffenen praktikable Lösungen finden.

Der Biber ist auch in der Stadt Solothurn zuhause, wie Sichtbeobachtungen an der Aare und Biberspuren bei der Badi in Solothurn zeigen. Einmal sogar watschelte ein Biber bis vor die Türe des Amtes für Wald, Jagd und Fischerei mitten in der Stadt Solothurn.... Was er dort wohl suchte?
 



Museumspädagogisches Material
Den Lehrpersonen steht pädagogisches Material kostenlos zur Verfügung. Es sind dies ein Museumskoffer mit Aufträgen sowie ein Heft mit Hintergrundinformationen und Arbeitsblättern, gratis herunterzuladen von unserer Internetseite www.naturmuseum-so.ch/vermittlung/angebote.

 

Eckdaten Naturmuseum
Naturmuseum Solothurn, Klosterplatz 2, 4500 Solothurn, Tel. 032 622 70 21, www.naturmuseum-so.ch, naturmuseum@solothurn.ch
Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag 14 - 17 Uhr, Sonntag 10 - 17 Uhr.
Schulen und Gruppen auch vormittags nach Anmeldung: Tel. 032 622 70 21

Anlässe im Rahmen der Sonderausstellung

> Vernissage «Baumeister Biber», 11. Mai 2017, 19 Uhr im Naturmuseum Solothurn. Es sprechen Hannes Geisser, Direktor Naturmuseum Thurgau, und Ueli Iff, Illustrator. Der Anlass ist öffentlich, der Eintritt frei.

> Lehrereinführung in die Sonderausstellung, 17. Mai 2017, 17 - 19 Uhr. Joya Müller, Museumspädagogin, führt Lehrpersonen durch die Sonderausstellung «Baumeister Biber» und stellt die didaktischen Materialien dazu vor. Anmeldungen übers Naturmuseum Solothurn (032 622 70 21).

> Mittagsexkursion «Auf Bibers Spuren», 7. Juni 2017, 12.15 - 13 Uhr. Die Spuren entlang der Aare verraten ihn: Der Biber ist hier! Der Biberexperte verrät mehr über dieses versteckt lebende und sehr anpassungsfähige Tier in unserer Nachbarschaft. Leitung: David Gerke, Pro Natura

> Kinderworkshop «Biber», 14. Juni 2017, 14 - 16 Uhr. Wie lebt der Biber und welche Spuren hinterlässt er? Wir schauen ihn uns etwas genauer an. Ab 6 Jahren, mit Anmeldung. Leitung: Joya Müller, Museumspädagogin

Weitere Anlässe folgen im zweiten Halbjahresprogramm.